• Dienstag, 13. Dezember 2011

Unterwegs mit Micha Koch

Nicht nur für Künstler

  • Antonplatz Weißensee
    Der Antonplatz mit Kino "Toni" Foto: Der Tagesspiegel - ©Thilo Rückeis

Der Künstler Micha Koch hat die meiste Zeit seines Lebens in Weißensee verbracht. Kein Wunder, dass er halb amüsiert, halb genervt reagiert, wenn er die neuen Namen für seinen Kiez hört.

"Tun Sie mir einen Gefallen, sagen Sie nicht 'Langhansstraßenkiez‘,“ bittet er auf die Frage hin, wie denn der Kiez heiße. Der Künstler und Gründer des Vereins "Culturlawine“ erklärt, dass nur "Zugezogene und Stadtaktive“ das Gebiet zwischen Gustav-Adolf-Straße und Antonplatz so bezeichnen und kein Weißenseer. Es gibt immer mehr Neubürger in Weißensee, die diesen Teil des Bezirks Pankow wegen seiner schönen Wohngegenden schätzen. Koch ist hier aufgewachsen und hat mit kurzen Unterbrechungen die meiste Zeit seines Lebens hier verbracht.

Der 50-jährige ist sich noch nicht ganz darüber im Klaren, was er von der neuen Nachfrage nach seinem Viertel halten soll. Das steigende Interesse an Wohnungen, Ateliers und Proberäumen kriegt er hautnah mit.

"Der Trend verstärkt sich, wir kriegen immer mehr Anfragen.“

Micha Koch kann sich noch gut zurückerinnern, wie es in Weißensee vor 20 Jahren aussah, kurz nach der Wende. "Eine tote Gegend, die Cafés waren leer.“ Es gab jedoch günstigen Raum – und Leute, die den Willen hatten, diesen Raum unkonventionell und kreativ zu nutzen. Zu ihnen gehörte Micha Koch. Anfang der 90er Jahre besetzte er mit Künstlerfreunden eine alte Möbelfabrik an der Streustraße. Sie traten in Verhandlungen mit dem Senat und warben für ihre Sache. Schließlich einigten sie sich auf einen Mietvertrag und später auf einen Kaufpreis für den von ihnen sanierten Komplex.

Keine Sehnsucht nach Prenzlauer Berg

Die "Culturlawine“ vermietet heute sechs Wohnungen im Vorderhaus sowie zwölf Ateliers und vier Proberäume für Musiker im Hinterhaus. Die Miete sei "so gering, wie es geht“, sagt Koch, der selbst auf dem Areal lebt und arbeitet. "Wir mussten uns behaupten, als Kulturinitiative im Hinterhof von Prenzlauer Berg.“

Überhaupt, über das Thema 'Prenzlauer Berg‘ und die Werbung mit dem Stadtteil kann sich Koch blendend amüsieren. "Als die ersten Wohnungen in den Puccini-Höfen verkauft wurden, warben die Investoren noch ernsthaft mit dem Slogan: Nur vier Kilometer bis zum Kollwitzplatz“, erzählt er. Heute käme niemand mehr auf die Idee. Das Komponistenviertel zwischen Berliner Allee und Jüdischem Friedhof ist ein sehr beliebtes Wohnviertel, das auch außerhalb des Ortsteils Interesse weckt. Die schönen Ecken von Weißensee haben sich herumgesprochen und die vielen Zuzügler aus Mitte und Prenzlauer Berg sorgen für steigende Mieten.

Manchmal reibt sich Koch verwundert die Augen, wenn er sich am Weißen See aufhält: "Da kommen inzwischen schon Touristen hin.“ Doch obwohl seine Heimat jetzt 'in‘ ist, denkt er oft: "Mein Gott, ist das prollig hier.“ Dann ist Micha Koch sofort wieder froh, in einer solchen Umgebung zu wohnen – nämlich einer "ganz normalen Wohngegend“.

Micha Koch ist überzeugter Weißenseer und sieht keinen Grund, wegzuziehen. Vom Bezirk wünscht er sich allerdings etwas mehr Unterstützung für die Künstler. Der Stillstand beim Kulturhaus Peter Edel betrübt ihn. Die ehemalige Institution an der Berliner Allee war für ihre Jazznächte berühmt – heute rottet das Gebäude vor sich hin, während der Bezirk noch über die weitere Nutzung streitet. "Wäre ich in dem Alter, ich würde das besetzen.“

Adresse

Langhansstraße
13086 Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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