Wohnen in Berlin

Notschlafplätze für Studierende

Notschlafplätze für Studierende
Wer eine Wohnung gefunden hat, kann sich glücklich schätzen.
4.000 Studierende stehen derzeit auf der Warteliste der Studentenwohnheime. Gleichzeitig kennen die Mieten für WG-Zimmer nur eine Richtung: nach oben. Das Studierendenwerk in Berlin hat nun Notschlafplätze eingerichtet – für 5 Euro die Nacht.

„Kennt jemand jemanden, der jemanden kennt, der ein Zimmer frei hat?“ Ein Frage, die beinahe täglich in diversen sozialen Netzwerken aufkommt, besonders in diesem Wintersemester, in dem die Zahl der an Berlins Hochschulen eingeschriebenen Menschen auf einen neuen Rekordwert gestiegen ist: 190.802 Studierende zählt die Hauptstadt. Das sind über 2.800 mehr gegenüber letztem Wintersemester. Dass sich dieser Zulauf besonders auf dem Wohnungsmarkt bemerkbar macht, ist da nur die logische Konsequenz. Denn in der Hauptstadt fehlt es an bezahlbarem Wohnraum. Während sich ein Teil der Erstsemester von Zwischenmiete zu Zwischenmiete hangelt, schlafen andere in überteuerten Airbnb-Appartements oder sind Dauergast in einem der Berliner Hostels.

Eine temporäre Notlösung bietet auch das Studierendenwerk an. Für fünf Euro die Nacht werden wohnungslosen Studierenden derzeit Notfallschlafplätze geboten. In alten, nicht sanierten Räumen der Studierendenwerke sollen junge Menschen, die kein Platz im Wohnheim bekommen haben, für höchstens eine Woche unterkommen. „Die Räume sind mit einer Matratze, einem Tisch, Stuhl und einem Spind pro Bewohner ausgestattet“, erklärt Jana Judisch, Sprecherin des Studierendenwerkes. „Das ist wirklich eine absolute Notlösung für Studierende, die noch keine Wohnung gefunden haben und ein Dach über den Kopf brauchen.“

Flüchtlingsunterkünfte als Notlösung für Studierende

Dass aber von den rund 50 Notschlafplätzen derzeit nur zwei in Anspruch genommen werden, erklärt sich Jana Judisch aufgrund der sehr sporadischen Einrichtung, die nicht einmal eine Küche vorsieht: „Viele kommen letztendlich doch auf der Coach von Freunden oder Verwandten unter“, sagt sie. Daher werden die Schlafplätze ab Dezember von 50 auf nur noch zehn reduziert. 

Dabei ist der Bedarf an zusätzlichem Wohnraum groß. Über 4.000 junge Menschen stehen auf der Warteliste der Berliner Wohnheime für Studierende. Ein Zimmer kostet hier durchschnittlich 229 Euro. Bis man allerdings einen Platz bekommt, vergehen je nach Standort gut und gerne mal mehrere Semester. Daher wird seit längerem über eine Unterbringung von Studierenden in leerstehenden Unterkünften für Geflüchtete diskutiert. Wie die Morgenpost berichtet, will der Senat Container-Unterkünfte, sogenannte „Tempohomes“, länger stehen lassen als geplant. Diese könnten dann sowohl von Studierenden, als auch von Obdachlosen bezogen werden. Jana Judisch vom Studierendenwerk ist von diesen Plänen allerdings noch nichts bekannt.

 

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Ein Beitrag geteilt von Radio Fritz (@radiofritz) am Dez 3, 2017 um 10:46 PST

Bei 363 Euro durchschnittlicher Miete für ein WG-Zimmer, könnten leerstehende Flüchtlingsunterkünfte zwar eine Zwischenlösung für Studierende sein, eine dauerhafte Wohnsituation in Containergebäuden sollte dennoch nicht zur Normalität werden. Neben mehr Sozialbau und günstigem Wohnraum, müsste auch der BAföG-Satz ab sofort erhöht und stetig angepasst werden.

StudierendenWerk, Hardenbergstraße 34, 10623 Berlin
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