Was 1992 mit gerade einmal 2.000 Besuchern und acht Bands begann, hat sich längst zu einem kulturellen Großereignis entwickelt. An etwa 50 Veranstaltungsorten verteilt über das gesamte Stadtgebiet finden Konzerte, Lesungen, Ausstellungen und Partys statt. Das Kerngebiet bildet dabei der agra-Messepark im südlichen Stadtteil Dölitz. Bereits heute starten erste Pre-WGT-Veranstaltungen, der offizielle Auftakt erfolgt jedoch am Pfingstfreitag. Bis tief in die Nacht von Montag auf Dienstag wird Leipzig dann ganz im Zeichen von Gothic, Wave und Dark Culture stehen.
Qiez zu Google hinzufügenDas Viktorianische Picknick im Clara-Zetkin-Park
Der inoffizielle Höhepunkt des Festivals steht bereits am Freitag Nachmittag an: Ab 14 Uhr versammeln sich tausende Anhänger der Schwarzen Szene zum traditionellen Viktorianischen Picknick im Clara-Zetkin-Park. Die große Wiese am See verwandelt sich dabei in eine lebendige Bühne für außergewöhnliche Mode und kreative Selbstinszenierung. Einen offiziellen Dresscode gibt es zwar nicht, doch unter den Besuchern hat es sich eingebürgert, die aufwendigsten Outfits zu präsentieren.
Erwartet werden prachtvolle Gewandungen im viktorianischen Stil, Rokoko- und Barockmode sowie fantasievolle Steampunk-Kreationen. Spitzenfächer, Zylinder und ausladende Reifröcke gehören zum gewohnten Bild. Der Eintritt ist frei. Dafür müssen die Gäste Essen, Getränke, Decken und Geschirr selbst mitbringen. Das Spektakel zieht traditionell auch zahlreiche Schaulustige an, die nicht zum Festival gehören. WGT-Sprecher Cornelius Brach ermutigt auch Unbeteiligte, sich dem schwarzen Dresscode anzuschließen.
205 Acts – von Industrial-Legenden bis zur Pop-Ikone
Das Programm steht und ist laut Veranstalter „so hochklassig und abwechslungsreich wie selten zuvor“. Insgesamt 205 Bands und Künstler haben ihre Teilnahme bestätigt. Zu den großen Namen zählen unter anderem Moonspell, DAF, Lacrimosa, Clan Of Xymox und Suicide Commando. Ein besonderes Debüt feiern die Einstürzenden Neubauten, die erstmals in der Geschichte des Festivals auftreten werden. Die experimentelle Industrial-Band spielt heute Abend in der Agra-Halle. Ebenfalls am Freitag betritt 80er-Ikone Kim Wilde die Bühne – ein Booking, das im Vorfeld für Diskussionen sorgte.
Nicht jeder ist ganz zufrieden damit – 80er Pop auf dem WGT? Damit können viele der Besucher eher wenig anfangen. „Die Achtziger spielen in der Szene eine große Rolle. Und da darf es auch schon mal ein bisschen poppig sein“, verteidigt Pressesprecher Cornelius Brach die Entscheidung gegenüber „Bild„. Der Erfolg von Alphaville im vergangenen Jahr habe gezeigt, dass solche Farbtupfer beim Publikum gut ankommen.
Das Stammpublikum altert – Newcomer sollen Abhilfe schaffen
Das Wave-Gotik-Treffen kämpft mit einem demografischen Problem. „Das Publikum ist mit dem Treffen gealtert“, räumt Festivalsprecher Cornelius Brach gegenüber dem MDR ein. Die 33 Jahre alte Veranstaltung verfügt zwar über eine treue Stammgemeinde, doch jüngere Fans fehlen zunehmend. Die Veranstalter steuern gezielt dagegen – mit aufstrebenden Acts wie zum Beispiel:
- Empathy Test
- Gulvøss
- Rein
- Zanias
- Bestial Mouths
Die Newcomer-Bands weisen laut Brach Überschneidungen zu anderen Subkulturen und Musikstilen wie Cold-Wave, Post-Punk und Elektro auf – das wurde schon in den vergangenen Jahren auch von den „Altgruftis“ gut aufgenommen. Brach beobachtet zudem einen Wandel in der Szene selbst: Anders als früher werde heute nicht mehr das gesamte Leben inklusive Kleidung nach der Musik ausgerichtet. Den jüngeren Fans gehe es eher um das Gefühl – das Dunkle oder Düstere.
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Die Veranstalter bitten auf Instagram die Besucher des WGT zu beachten, dass die Band „A Black Rainbow“ nicht erscheinen wird. Stattdessen wird die französische Band „Blind Delon“ ihren Platz auf der Bühne übernehmen. Zudem wird die Veranstaltung „Dark Affair“ auf dem Augustusplatz nicht von den Veranstaltern des WGT ausgerichtet. Besucher müssen daher damit rechnen, dass für diese Veranstaltung ein zusätzliches Eintrittsgeld kassiert wird.
Tickets nur noch an der Abendkasse
Kurzentschlossene haben weiterhin die Möglichkeit, am Festival teilzunehmen. Der Online-Vorverkauf ist zwar beendet, doch an den Abendkassen am Hauptbahnhof und auf dem Agra-Gelände sind laut Veranstalter noch ausreichend Karten verfügbar. Das Vier-Tages-Ticket kostet 190 Euro – rund 20 Euro mehr als im Vorjahr. Tageskarten gibt es schon seit 2001 nicht mehr – das Treffen steht damit als Gesamterlebnis für sich und die Kapazitäten der einzelnen Veranstaltungsorte werden geschont.
Wer auf dem Agra-Gelände zelten möchte, benötigt zusätzlich eine sogenannte Obsorgekarte für 50 Euro. Wohnwagenstellplätze und Parkplätze kosten extra. Ein praktischer Bonus: Das Festivalbändchen gilt von Freitag bis Dienstagmittag als Fahrschein im gesamten Leipziger ÖPNV. Die Verkehrsbetriebe haben ihr Angebot aufgestockt und eine Sonderlinie zwischen Hauptbahnhof und Dölitz eingerichtet.






