Mascha fragt nach

Whiplr im Test: Was kann die BDSM-Dating-App?

Whiplr im Test: Was kann die BDSM-Dating-App?
Voll Klischee, aber eben einer von vielen Fetischen: Latex hat einige Fans bei Whiplr.
Kolumnistin Mascha ist etwas gelangweilt von den klassischen Dating-Apps. Deswegen schaut sie sich jetzt mal in etwas, nun ja, spezifischeren Communitys um. Diesmal: Die Plattform Whiplr, die den Fokus auf BDSM und Fetisch legt.

Latex, Leder und ein bisschen Haue: Fällt das Stichwort BDSM, rauschen die Stichworte und Klischees nur so durch den Denkapparat. Und ja, auch auf Whiplr fallen diese Stichworte natürlich. Aber ich erhoffe mir bei diesem neuerlichen Test, auf dieser Dating-App noch etwas mehr zu entdecken – nämlich die Vielfalt von Sexualität und Fetisch, denen der auf diversen Dating-Plattformen und in Clubs fast schon omnipräsente Begriff „kinky“ vielleicht doch nicht ganz gerecht wird.

Whiplr – Dating-App rund um BDSM und Fetisch

„Bondage und Discipline, Dominance und Submission, Sadism und Masochism“: Das steckt hinter der Abkürzung BDSM. Jede Menge also. Und immer wieder habe ich erlebt, wie groß das Spektrum allein beim Thema „Dominanz“ ist. Manche fanden sich schon wahnsinnig dominant, wenn sie mir mal kurz auf den Arsch gehauen haben. Und bei manchen scheint es einfach zum guten Ton zu gehören, sich der kinky Szene zuzuordnen – fast möchte ich von einem Trend sprechen. Andere meinen es ernst, wenn sie von Kommandos, Strafe und Unterwerfung reden. Doch wer tummelt sich nun bei Whiplr, der Plattform, die ihren User*innen eine „BDSM Dating, Kinky Chat und Fetisch Community“ verspricht?

Kurz zu den Hard Facts: Whiplr gibt es seit 2015, aktuell sollen über 2 Millionen User*innen Mitglied sein – weltweit. Klares Ziel: Gleichgesinnte finden unter all den Menschen, die sich irgendwie den Themen BDSM, Kink und Fetisch zuordnen. Die Dating-App ist kostenlos.

So funktioniert Whiplr

Zunächst einmal: Nicht so gut. Bei Whiplr hat man zwar die Wahl, ob man die Desktop-Version nutzt oder die App runterlädt, was ich schon mal gut finde. Und man kann sich einfach per Mail anmelden, Facebook und Co sind nicht verknüpft. Aber erst beschwert sich die Desktop-Variante über meine Mailadresse, die angeblich nicht nutzbar ist, dann stürzt die App, die ich als Alternative nutzen will, mehrfach ab. Irgendwann bin ich drin – die Dating-App hat sich schließlich erbarmt – und erstmal leicht überfordert. Ich kann ganz ganz viel ausfüllen, rund um Fetisch, die eigene Rolle und den eigenen Status. Und zwar direkt zweimal: In meinem Profil und bei den Filtern. Schön und schlichtweg sinnvoll ist die Vielfalt der Rollen und Kinks, die ich auswählen kann. Und die macht auch allen Neulingen unmissverständlich klar, dass BDSM eben viel mehr ist als die eingangs erwähnten Stichworte: Neben, naja, „bekannten“ Kinks wie Rope, Controll, Massage oder Toys werde ich auch durchaus überrascht. Shopping, French Maids, Robots und Super Heroes hätte ich jetzt nicht direkt im Kopf gehabt. Whiplr gibt sich aber nicht nur als Expert*in in Sachen BDSM aus, auch in Sachen Diversität möchte man hier alles richtig machen. Und so umfassen die Geschlechter eben nicht nur Male und Female, sondern unter anderem auch Trans* und Genderqueer.

Nächste Hürde: Ein Foto hochladen. Ich gebe zu, wie viele andere User*innen will ich erstmal nicht sofort erkennbar sein. Und will ein leicht erotisch angehauchtes Körperfoto in einem Kleid posten. App sagt: Ungehöriges Foto, Nacktbilder oder eben bestimmte Körperteile sind verboten. Nur: Da ist nix nackt, ich bin völlig bekleidet. Zeichnet sich etwa ein Nippel zu klar unter dem Kleid ab? So viel Prüderie hätte ich dann doch nicht erwartet. Gefühlt 100 weitere Versuche dauert es, bis ich einen Zuschnitt von einem Gesichtsfoto so hinbekomme, dass das Bild nicht total verzerrt ist. Vielleicht – das schreibe ich an dieser Stelle ja häufiger – bin ich nur mal wieder zu blöd. Aber irgendwann klappts.

 

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Ein Beitrag geteilt von Whiplr – All About Kink (@whiplr) am Mai 19, 2016 um 9:56 PDT

Kontaktaufnahme und Community des Kinkster Chat

Was sofort auffällt: Viele User*innen aus Berlin und Umgebung scheint es nicht zu geben. Als ich es endlich geschafft habe, meinen Standort zu speichern, sind die Personen, die dann noch in einem Radius von zehn Kilometern angezeigt werden, sehr überschaubar. Bei einem Großteil der Leute steht „500km+“ unter dem Profilbild. Und aus diesen entlegenen Ecken der Welt erreichen mich auch sehr schnell die ersten Nachrichten. Manchmal nur ein schlichtes „Hello“, andere fragen, worauf ich stehe, ein Anderer schreibt einen halben Roman – ich nehme an, schöne Vorlage, die er immer wieder benutzt.

Eigentlich schön, dass zumindest ein Drittel der Anfragen von sich als dominant ausgebenden Frauen kommt. Oft richtig heiße Ladies. Doof aber, dass die alle in Italien, den USA oder England leben und zwar ein Sub suchen – also in dem Fall mich – aber nur für das, was hier bei Whiplr so schön als Online Play bezeichnet wird. Kommandos und Erziehungsarbeit per Chat also. Eine erklärt mir, dass ihr oft gar nichts anderes übrig bleibe, denn die Menschen vor Ort würden eben fehlen. Tragisch. Aber BDSM und rein virtueller Austausch üben auf mich leider nur wenig Reiz aus. Immerhin kommen ein paar nette Gespräche zustande, was will man, was mag man, auch mit ein paar Leuten aus Berlin. Nach ein paar Tagen bin ich aber ziemlich genervt von den immergleichen Anfragen 500km+, oft auch hartnäckig, teilweise mit ungefragten Halbnacktbildern, die man im Chat mitschicken kann.

Chancen auf ein Date – oder Sex

So mittel. Ich bin zwar noch nicht lange dabei, aber viele User*innen dieser Dating-App hier im Umkreis scheinen nur selten online oder sehr zurückhaltend zu sein. Bei manchen würde ein Treffen an den unterschiedlichen Vorlieben scheitern. Denn da war ich vorher auch ein wenig naiv und dachte, naja, so ’n dominanter Part kann ja nicht so schwer zu finden sein. Aber dann sind eben doch die Details entscheidend: Will man mal sexuell dominiert oder gleich 24/7 kontrolliert werden? Stehen Lust und Sex im Fokus oder soll das „Spiel“ voll auf Bestrafung und Erziehung ausgelegt sein? Vieles, auch das Szene-Wording, ist mir irgendwie zu technisch. Was natürlich auch daran liegt, dass ich nicht so festgelegt bin wie andere Menschen hier. Und daher vielleicht ein wenig unbedarfter an die Sache rangehe. Kontakte können hier zuhauf geschlossen werden, viele User*innen von Whiplr scheinen danach zu lechzen, sich ihren Sadomaso-Neigungen hinzugeben und sich zum Beispiel ein Sub zuzulegen – digital. Dass alle, die hier verbal in die Vollen gehen, das Ganze auch im realen Leben umsetzen wollen oder können, bezweifele ich. Aber why not, auch die virtuelle Welt kann luststeigernd sein. Ein bisschen überrascht bin ich trotzdem, welch geballte Lust auf Digital-BDSM hier auf mich einprasselt.

Wer viel Geduld und starke Nerven mitbringt, kann hier sicherlich auch irgendwann mal jemanden treffen. Aber bei der besagt kleinen User*innen-Anzahl in Berlin ist die Chance entsprechend gering, schnell genau den Spielpartner zu finden, der zu einem passt. Denn hier sind die Menschen konkret, was ihre Neigung zu BDSM und Co angeht; einfach mal zum Bumsen treffen und dann mal schauen ist eher nicht gefragt.

Für wen ist Whiplr geeignet?

Erstmal für alle, die sich in der Welt von BDSM und Fetisch zuhause fühlen – oder mal reinschnuppern wollen. Und diese Welt ist groß und, trotz Mottofarbe Schwarz, inhaltlich sehr bunt. Auf Tinder und Co kann man zwar auch auf Profile stoßen, die gezielt nach Doms, Subs oder Fetisch-Fans suchen, aber das ist eher Zufall. Und wer BDSM oder einen bestimmten Fetisch eben nicht als gelegentliche Vorliebe deklariert, sondern als sexuelle Identität und einzige Möglichkeit, echte Lust zu empfinden, für all jene ist so ein Forum natürlich mehr als nötig. Gleichgesinnte treffen ist immer eine Wohltat, ob im Club, in der Bibliothek oder eben in einer Dating-App. Und damit das Ganze noch besser klappt: Kommt herbei, ihr Kink-Mäuse, es ist noch ganz viel Platz bei Whiplr, der dringend gefüllt werden sollte!

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