Wiesenburg-Areal

Frischer Wind oder böser Sturm?

Frischer Wind oder böser Sturm?
Während Teile der Wiesenburg noch bewohnbar sind, stehen andere kurz vor dem Einsturz.
Gesundbrunnen - Streit um die "Wiesenburg": Während sich das Wohnungsunternehmen degewo als neuer Eigentümer für Neuerungen einsetzt und verfallene Teile des denkmalgeschützten Areals bereits abgesperrt hat, fürchten Anwohner und auf dem Gelände beheimatete Künstler um die Zukunft einer "der letzten Bastionen altruistischer Lebenskunst".

Es könnte alles so einfach sein: „Das Land Berlin hat die Wiesenburg an uns übertragen, damit wir diesen besonderen Ort bewahren und für nachbarschaftliche und soziale Aktivitäten im Quartier öffnen“, heißt es in einer Pressemitteilung der degewo zur „Rettung der historischen Wiesenburg“. Aus Sorge um „Leib und Leben von Bewohnern und Besuchern“ hat man damit begonnen, einzelne Grundstücksflächen in einsturzgefährdeten Teilen der Wiesenburg abzusperren. Nun wolle man die Bewohner und Nutzer in die Überlegungen über die weitere Entwicklung und konkrete Schritte zur Neubelebung des Quartiers einbeziehen.

Das besagte Quartier umfasst ein 12.500 Quadratmeter großes Areal, bebaut mit einem Wohnhaus mit acht Mietparteien und mehreren Gewerbeflächen, in denen vor allem Künstler heimisch sind. Errichtet wurde die Wiesenburg 1896 als erstes Berliner Obdachlosenasyl, nach dem ersten Weltkrieg wurden hier in manchen Nächten mehr als 1000 Menschen untergebracht. Später diente die ehemalige Notunterkunft unter anderem als Kulisse für Schlöndorffs Verfilmung von „Die Blechtrommel“.

Anwohner sehen die Entwicklung kritisch

Während die degewo angibt, die heute auf der Wiesenburg beheimateten Parteien gänzlich in die Wandlungsprozesse einzubeziehen und beruhigend mitteilt: „Niemand muss seine Wohnung verlassen, auch die Ateliers bleiben“, regt sich unter den Anwohnern Widerstand. In einem Interview mit dem Weddingweiser beklagt die Hausgemeinschaft die „spontanistischen Reaktionen des neuen Verwalters“. Man werde „nur bedingt über die zunehmenden Veränderungen in Kenntnis gesetzt“, wie es weitergehe, wisse momentan niemand. Sicher ist: Der tiefe Graben, der Berlin zunehmend spaltet – urbaner Freiraum vs. gewinnbringende Raumnutzung – hat auch das Wiesenburg-Areal erreicht. Auf der Facebook-Seite des Kulturstandorts kommentiert man die aktuell durchgeführten Sperrungen auf dem Areal aufgebracht: „Wir sind erfüllt von großer Trauer!“

Während die eine Seite es also als „Jammer“ bezeichnet, wenn „eine der letzten Bastionen altruistischer Lebenskunst, die sich dem kapitalistischen Verwertungsdruck entzieht, endgültig schließen müsste“, will die degewo vordergründig den Verfall des denkmalgeschützen Areals stoppen und frischen Wind in den Kiez bringen. Eigentlich kein schlechter Ansatz – ob man ihn tatsächlich im Auge behält, werden allerdings erst die kommenden Schritte erweisen. Für die Anlieger muss es daher zunächst heißen: abwarten und nicht vom Schlechtesten ausgehen.

Frischer Wind oder böser Sturm?, Wiesenstraße 55, 13357 Berlin
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