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Wiesenburg: Dornröschen, aufgewacht!

Wiesenburg: Dornröschen, aufgewacht!
Blick auf die Wiesenburg von der Gerichtstraße 23 aus.
Gesundbrunnen – Erst Obdachlosenasyl, später Kulturzentrum. Heute in Teilen ruinös und überwuchert. Wie steht es mit der Zukunft der Wiesenburg, die inzwischen einer Wohnungsbaugesellschaft gehört?

Wenn eine Ruine zuwuchert und aus dem Bewusstsein der Nachbarn verschwindet, redet man gern vom Dornröschenschlaf. Wenn das Bild auch bei der Wiesenburg zutreffen sollte, so darf das wildromantische Gelände jetzt endgültig als wachgeküsst gelten. Anders ist das große Publikumsinteresse beim ersten Wiesenburgfestival an diesem so verwunschen wirkenden Ort mitten im Wedding, an der Panke, nicht zu erklären.

Von Prinzen, die daherkommen, um das ehemalige Obdachlosenasyl wachzuküssen, kann indes keine Rede sein. Eher ist es der neue Eigentümer, die städtische Wohnungsbaugesellschaft Degewo, die den reizvollen Standort entwickeln möchte. Die bisherigen Bewohner und Bewahrer des Denkmals, die in einem Verein organisierten „Wiesenburger“, haben wenig Geld entgegenzusetzen. Sie möchten aber mit ihrem kreativen Potenzial, ihrer Erfahrung und ihrer Ortskenntnis in diesen Prozess integriert werden. Damit nicht nur für sie selbst, sondern auch für den umliegenden Kiez etwas dabei herumkommt. Etwas geben, ohne eine Gegenleistung zu erwarten, das hat hier nämlich Tradition, sagt Robert Bittner, der hunderte Besucher beim ersten Wiesenburgfestival am 10. und 11. September in den nicht abgesperrten Bereichen des 12.000 Quadratmeter großen Geländes herumführt.

Kleingewerbe, Kunst und Underground sind schon da

Was die vielen Besucher dieses Areals staunend feststellen: Die Wiesenburg ist ein lebendiger Kulturort – mit einer Tanzhalle, einem Tonstudio, zwei metallverarbeitenden Kleinbetrieben und sogar mit einem Imker, der echten Wiesenburger Honig und Met herstellt. Höhepunkt der Führung war das Holzbildhauer-Atelier mit einem aus 80.000 Teilen bestehenden „Pharaonenbett“. Leider hat der neue Eigentümer große Teile des Geländes absperren lassen, da Einsturzgefahr besteht. Und doch sind die wenigen Räume, die sich besichtigen ließen, beeindruckend.

 

Der im ehemaligen Wasserturm befindliche Kommunikationsraum der Wiesenburger und Sympathisanten, die UnbezahlBar, ist ein veritabler Underground-Treffpunkt der Kunst- und Kulturszene.

Nun gilt es, diese Vielfalt mitten im Wedding zu bewahren, ohne dass der unverwechselbare Charakter dieses lange Zeit „vergessenen Ortes“ erhalten bleibt. Die  „Wiesenburger“ brauchen viel Unterstützung, auch aus dem Wedding, damit dies gelingt.

Text: Joachim Faust. Informationen zur Geschichte der Wiesenburg bekommst du auf deren Webseite.

Dieser Artikel erschien zuerst auf www.weddingweiser.de.


Quelle: Weddingweiser

Wiesenburg: Dornröschen, aufgewacht!, Wiesenstraße 55, 13357 Berlin
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