• Freitag, 21. November 2014
  • von Eve-Catherine Trieba

Eine Liebeserklärung

Mein Kiez, meine City - mein Wald!

  • Berliner Grunewald
    Der Grunewald wird von den Berliner Forsten gepflegt. Ihnen gelingt es ausgezeichnet, eine Million Besucher pro Jahr und den Naturschutz unter einen Hut zu bringen. Foto: dpa - ©picture alliance / dpa

Berliner Südwesten - Der Bund Deutscher Forstleute - die berufsständische Vertretung aller Forstleute im öffentlichen und privaten Dienst - dürfte bisher kaum einem Berliner ein Begriff gewesen sein. Nun hat jedoch genau dieser Verband der Hauptstadt ein schönes Geschenk gemacht: 2015 darf sich der Berliner Grunewald hochoffiziell "Waldgebiet des Jahres" nennen. Ein guter Anlass für eine kleine Liebeserklärung.

Ich wage zu behaupten, dass ich zu den Berlinern gehöre, die den Grunewald zu ihren engsten Vertrauten zählen. Seit zwei Jahren bin ich dank unseres Hundes täglich in dem 3.200 Hektar großen, innerstädtischen Waldgebiet unterwegs, das sich vom Strandbad Wannsee im Süden bis fast zur Heerstraße erstreckt. Ob im westlichen Teil längs der Havel, an seinen schönen Seen im Osten, im Trubel rund um den Teufelsberg oder mittendrin in der Kiesgrube, am "Selbstmörderfriedhof" oder auf der riesigen Lichtung am Teltower Weg - es gibt gefühlt kaum einen Pfad, den ich noch nicht durch den Grunewald geschlendert, gestapft oder geschlittert bin.

Und doch entdecke ich immer noch neue, bisher unbekannte Ecken und Waldwege. Orte, die einen stets vollkommen vergessen lassen, dass man sich eigentlich mitten in Berlin, nur ein paar Minuten Fahrtzeit von der City West und stets nur wenige hundert Meter von der Stadtautobahn Avus entfernt befindet, die den Grunewald seit den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts in zwei Teile zerschneidet. Sobald ich mein Auto abgestellt, mich in meine Wanderschuhe gezwängt und die ersten tiefen Züge Waldluft genommen habe, könnte ich überall in einem urwüchsigen Teil Deutschlands sein - nur eben nicht mehr in Berlin. Und genau das zählt meiner Meinung nach zu den größten Vorzügen unserer Stadt: Man kann sie in vollen Zügen genießen und sich bei Bedarf dennoch schnell ganz weit von ihr entfernen. Dem Grunewald sei dank!

Die Gesichter des Waldes

Unsere lange und eingehende Beziehung schafft natürlich eine ziemliche Vertrautheit. Ich kenne den Grunewald, wenn er morgens noch verschlafen, von Nebelschwaden bedeckt  daliegt und Wildschweine, Rehe, Kraniche und Schwäne die einzigen sind, die seine Ruhe genießen. Ich kenne den Grunewald, wenn er wie ein aufgekratzes Kind an einem sonnigen Samstagnachmittag voller Geräusche und Schabernack steckt. Ich kenne ihn dort, wo er sich von seiner menschenfreundlichsten Seite zeigt - etwa am Chalet Suisse, rund um den Grunewaldturm oder am Naturschutzzentrum Ökowerk - und ich kenne ihn an Orten, an die gefühlt seit Jahren kein Mensch mehr seinen Fuß gesetzt hat.

An Orten, an denen es unheimlich wird, wenn es an einem trüben Herbsttag zu dämmern beginnt. Dort, wo man stets achtgeben muss, ob nicht unvermittelt eine Wildschweinmutter mit ihren Ferkelchen aus dem Unterholz stürmt. Dort, wo man sich im Winter verläuft, wenn man sich ein paar Meter abseits von den Wegen bewegt. Und dort, wo man nach drei Abbiegungen vergessen hat, wo es eigentlich lang geht und man sich über einen einsamen Jogger oder Radfahrer freut, der einem schließlich den richtigen Weg zurück in die Zivilisation weisen kann.

Ich bin ein Landei, in mir ruft die Erfahrung von Natur nicht zwangsläufig romantisch-euphorische Gefühle hervor. Und doch verzaubert mich der Grunewald jeden Tag aufs Neue. Wie das Licht durch seine Bäume fällt, wie unbekannte Vögelchen vor einem auffliegen, wie intensiv sich der Lauf der Jahreszeiten hier widerspiegelt - all das macht den Grunewald vielleicht nicht einmalig. Aber doch einmalig schön, wenn man zehn Minuten zuvor noch an seinem Computerbildschirm oberhalb der lauten Bundesallee gesessen hat.

Hach Grunewald, ick liebe dir!

Châlet Suisse

Clayallee 99
14195 Berlin

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Quelle: QIEZ
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