• Donnerstag, 09. Januar 2014
  • von Ludwig Heim

Gastrokritik

Dieser Schwabe überzeugte uns nicht

  • Hermans Einkehr
    Das Restaurant von außen. Foto: QIEZ - ©QIEZ

Ludwigkirchplatz - Unser Experte für Essen und Trinken, Ludwig Heim, war für euch in Wilmersdorf unterwegs und hat das schwäbische Restaurant Hermanns Einkehr besucht.

An einem Samstagabend vor Weihnachten besuchte mich ein alter Schulfreund, der in Portugal lebt. Wir entschlossen uns zum Essen in das schwäbische Restaurant in der Emser Straße zu gehen. Beim ersten Versuch wurden wir freundlich abgewiesen, es täte ihnen leid, aber wegen einer größeren Gruppe sei die Küche überlastet. Es könne dauern. Okay. Wir gingen also noch auf ein Bier um die Ecke. Eine Stunde später starteten wir einen erneuten Versuch, dieses mal erfolgreich. Wir wurden freundlich empfangen und an einem Tisch im hinteren Teil platziert. Die Bedienung war sehr aufmerksam.

Wir bestellten Zwiebelrostbraten und Rinderbäckchen. Es dauerte - was wir als gutes Zeichen werteten. Die Atmosphäre war angenehm und ruhig und das Licht schummrig. Und wir waren guter Dinge, bis der Wirt das Essen brachte. "Das sieht doch lecker aus", sagte er zu unserem Erstaunen, wir konnten es ob der Lichtverhältnisse nicht bestätigen. Also verließen wir uns auf unsere Zungen. Welch fatale Entscheidung, zumindest im Nachhinein für den einen von uns beiden.

Der Geschmack: irritierend

Meine Rinderbäckchen waren sehr zart, nur der Geschmack irritierte mich, sie schmeckten leicht bitter und etwas nach Metall. Die Spätzle, die den Zwiebelrostbraten meines Freundes begleiteten, sahen passabel aus, meine Bratkartoffeln glichen eher kleinen Spielwürfeln. Merkwürdiges, nach nichts schmeckendes Gemüse fand ich auch noch auf meinem Teller. Wenn da nur nicht die Saucen gewesen wären. Wir hatten beide die gleiche, undefinierbare bedrohlich dunkle Einheitssauce auf den Tellern und das in einem Restaurant, dessen Küche die Fahne des Landes gehisst hatte, das dem Föderalismus schon aus Tradition verpflichtet war. Unter dieser Tunke entdeckten meine Augen, die sich mittlerweile an das Schummerlicht des Raumes gewöhnt hatten, einen weiteren verdächtigen Spiegel, dieses Mal in weißem Gewand.

Während mein Freund munter seinen Rostbraten mit den Spätzle verzehrte, legte ich ganz heimlich mein Besteck auf 5 Uhr und widmete mich meinem Bier, das ganz ordentlich mundete. Mein Begleiter fragte mich, ob es mir nicht schmecke? Ich schüttelte nur den Kopf. Er beugte sich über meinen Teller und interessierte sich für die weiße Sauce, die hatte er nämlich nicht. Ich gestattete ihm, davon zu probieren, was er auch umgehend tat. Sein Kommentar: "Schmeckt wie ein alter Beichtstuhl."

Die Bedienung stellte beim Abräumen die obligatorische Frage "Hat's denn geschmeckt?" Ich: "Nein." Ein ungläubiger Blick ihrerseits und die Nachfrage, was denn der Grund sei, beantwortete ich mit der Gegenfrage, woher die Saucen denn kämen. Sie wisse es nicht, aber sie verwies uns geschickt an den Koch, der gerade hinter uns aus dem Keller kam. Was der da wohl gesucht hatte? Doch keine Saucen? Ich fragte ihn nach der Sauce und er erzählte etwas von einem Gemüsejus, den er in einem langwierigen Verfahren kreiert hatte. Ich fragte mich umgehend, wann das wohl gewesen war? Nun ja, ich hätte ja noch viele Fragen zu Farbe, Geschmack etc. gehabt, wollte mich aber auf keine längeren Ausführungen einlassen, sondern so schnell wie möglich die Lokalität wechseln und an einem anderen Ort einen dringend benötigten Magenbitter zu mir nehmen.

Und so kamen wir heil aus dem Restaurant, zumindest ich, denn meinem Schulfreund, den ich am nächsten Morgen noch traf, er musste wieder zurück nach Portugal fliegen, ging es nächtens nicht so gut. Na ja, auch so etwas gibt es.

Wer Ludwig Heims Rezepte zu Hause kochen will, der kann sich beispielsweise das Werk "Werkstattküche - Scharfe Rezepte aus Asien" hier kaufen.

Hermanns Einkehr

Emser Str. 24
10719 Berlin

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Quelle: QIEZ / externe Quelle
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