• Dienstag, 10. Januar 2012

Italiener in Berlin-Wilmersdorf

Das sizilianische Wohnzimmer

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  • Lucullus
    Familiär wie alles in dem Restaurant wirken auch die rot-weiß karierten Tischdecken. Foto: QIEZ - ©QIEZ
  • Lucullus
    Wohnzimmeratmosphäre im Lucullus Foto: QIEZ - ©QIEZ
  • Lucullus
    Parmesan auf die leckeren sizilianischen Gerichte? Foto: QIEZ - ©QIEZ

Die Nachbarn sind voll des Lobes über das Lucullus. Das reicht, um unsere Neugier zu entfachen. Die frühere Besatzung des Restaurant I Portici ist im Frühjahr 2010 gegenüber vom Rathaus Schmargendorf in eigene Räumlichkeiten gezogen.

Der Walter-Benjamin-Platz sei zu teuer geworden, sagt uns der freundliche Servicechef, der seinen italienischen Akzent auch nach 20 Jahren in Deutschland noch liebevoll pflegt. Das passt zu dem behaglichen Raum, der Wohnzimmeratmosphäre ausstrahlt. Vorne öffnet er sich in eine großzügige Küche, hinten ist er mit Bildern und Kerzen schön und heiter gestaltet. Die Stofftischdecken sind gemustert wie ein klassisches Geschirrtuch, das wirkt ebenfalls familiär. In der Tat ist das Lucullus ein Familienbetrieb, das Serviceteam ist also nicht groß, manchmal dauert es einen Moment länger. Besonders wenn es voll ist wie an diesem Freitagabend - aber das macht nichts in dieser gemütlichen Atmosphäre.

Nach dem exquisiten Prosecco (0,1 = 5 Euro) wählen wir einen sizilianischen Rotwein, einen 2008er Regaleali Nero d’Avola von rubinroter Farbe, der fruchtig ist und sich im Glas perfekt entfaltet (24,50 Euro). "Sicilia“ steht auch auf der roten Schürze des Servicechefs, der stolzer Sizilianer aus der Nähe von Palermo ist. Die Spezialitäten des Tages, die mit Kreide auf mehreren Schiefertafeln geschrieben stehen, trägt er live vor, beantwortet geduldig alle Fragen und überlässt uns dann die Standardkarte, die überwiegend bekannte Klassiker enthält.

Von der wählen wir Antipasto Lucullus, eine der besten Vorspeisenplatten für eine Person seit langem. Auf knackigen Salatstreifen lagert toller marinierter Thunfisch mit kleinen Auberginenwürfeln. Aubergine und Zucchini gibt es auch in Scheibenform. Eine fruchtig-frische sizilianische Caponata mit viel rotem Gemüse wird durch getrocknete Tomaten und eingelegte Paprika bereichert, die jeweils einzeln angerichtet sind, dazu gibt es schwarze Oliven. Highlights sind das Vitello Tonnato aus zartem Kalbfleisch unter einer exzellenten dicken Thunfischsauce und das Carpaccio mit viel Rucola und Käsehobeln. Auch die eingelegten Champignons und der lockere Büffelmozarella mit Cherrytomaten konnten uns überzeugen (12,50 Euro). Auch die Vorspeise von der Schiefertafel schmeckte bestens. Hauchdünn geschnittenes mageres Bündner Fleisch mit handverlesenen gebratenen Pfifferlingen (11 Euro).

Edel und teuflisch

Die Hauptspeisen wurden dann etwas zügiger serviert. Auf Rat des Servicechefs zogen wir den gebratenen Schwertfisch der Sauce wegen dem gegrillten vor. Die Empfehlung war goldrichtig. Drei dünne, zarte Scheiben Fisch verstanden sich ausgesprochen gut mit der aus feinem Öl, schwarzen Oliven, Cherrytomaten und Kapern komponierten Sauce. Als Beilagen wurden Brokkoli, Blumenkohl und Spinat gereicht. Auf die ebenfalls enthaltenen Salzkartoffeln hatten wir dankend verzichtet (19,50 Euro). Die Perlhuhnbrust Diavolo fanden wir gleichsam originell wie lecker. Das edle Geflügel mit modernen Chili-Attributen je nach Laune zu verteufeln oder zu veredeln, ist ein netter Gedanke. Dazu gab es die schon erwähnten Gemüsebeilagen und leckere Röstkartoffeln (17 Euro).

Zum Nachtisch entschieden wir uns für die Cassata, eine Torte, die nach einem alten Familienrezept gebacken wird. Schon beim Betreten des Restaurants ist sie auf der Theke kaum zu übersehen mit ihrem dünnen weißen Zuckerguss und roten kandierten Kirschen. Es lohnt sich auch für Nicht-Kuchenfans, der Empfehlung des Hauses zu folgen, denn es handelt sich um eine köstliche Komposition aus Biscuitteig und Ricottacreme, die man bei kaum einem Italiener in Berlin finden dürfte. In Sizilien, wo die Torte herstammt, wurde sie früher nur zu Hochzeiten und Ostern serviert.

Für ein spontanes Festmahl, zur Feier des Alltags, eignet sich das Lucullus in Berlin-Schmargendorf jedenfalls sehr gut.

Lucullus Ristorante

Berkaer Str. 39
14199 Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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