• Freitag, 20. Februar 2015
  • von Sophie Maaß

Berliner Persönlichkeiten zeigen ihren Kiez

Manfred Maurenbrecher: Mitten im Paradies

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  • Manfred Maurenbrecher
    Manfred Maurenbrecher auf seinem Rüdesheimer Platz. Foto: QIEZ - ©Sophie Maaß
  • Manfred Maurenbrecher
    Auf der Bühne ist Manfred Maurenbrecher voll in seinem Element. Foto: externe Quelle - ©Kristjane Maurenbrecher

Rüdesheimer Platz – Der Liedermacher ("Paradies Rüdi") ist ein echtes Berliner Urgestein. In seiner Jugend bekam er den Besuch John F. Kennedys, aber auch die 68er hautnah mit. Ein Gespräch über Geschichte, musikalische Vorbilder und die Künstlerkolonie in Wilmersdorf.

"Ich möchte noch so lange auftreten, wie es geht. Solange ich das Publikum noch tragen kann", sagt Manfred Maurenbrecher, dessen neues Album "Rotes Tuch" am 10. April erscheint. Das Auftreten sei wie ein Jungbrunnen und ans Aufhören denke er noch längst nicht, erklärt der 64-Jährige mit der rauen Stimme und den gehaltvollen Texten. Seit 1982 ist etwa alle zwei Jahre eine neue Platte von ihm erschienen, dazwischen macht er auch mal Bücher ("Fast sowas wie Liebe"), Radiosendungen, Kurzgeschichten und Drehbücher ("Alarm für Cobra 11"). Seine Inspiration holt sich der Künstler aus dem Alltag, wenn er unterwegs auf Tour ist, mit Frau und Sohn Zeit verbringt oder auf seinen langen Spaziergängen durch Wilmersdorf.

Von Gedichten zu Liedern

"Ideen habe ich immer viele. Die eigentliche Anstrengung ist es eher, sie umzusetzen", so Maurenbrecher, der in der Vergangenheit u.a. Songs für Herman van Veen (Schöpfer von Alfred Jodocus Kwak), Veronika Fischer und Katja Ebstein verfasste. Die Zeit, in der er aus freien Stücken zehn Lieder schrieb, sei vorbei, erzählt er. Auftritte organisieren, Termine setzen, komponieren: Die Arbeit eines freischaffenden Künstlers ist hart und verlangt viel Selbstdisziplin. Ganze 55 Aufführungen, davon 44 im Mehringhof-Theater, absolviert Maurenbrecher derzeit mit dem Kabarettistischen Jahresrückblick 2014.

Nach solch schweißtreibenden Engagements ist es für Maurenbrecher umso wichtiger, abzuschalten und sich auszuruhen. Das macht er am liebsten in seiner zweiten Heimat, dem brandenburgischen Lunow, wo er und seine Frau Kristjane ein Haus besitzen. Die 4 ½-Zimmerwohnung in der Künstlerkolonie Wilmersdorf – seine erste Heimat – möchte der Sänger und Lesebühnen-Star dennoch nicht missen. Hier wuchs er auf, wurde von der künstlerischen Atmosphäre geprägt. Ernst Busch und Klaus Kinski lebten hier. Maurenbrechers Großvater und Vater waren ebenfalls Schauspieler. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass der Künstlerspross schon in jungen Jahren Gedichte schrieb. Als Teenager, nachdem sein "Klavierlehrer mit der philosophischen Ader", ihm das Komponieren beigebracht hatte, fing Maurenbrecher dann an, aus seinen Gedichten Lieder zu machen.

Die wilden Jahre

Selbstverständlich hatte er als junger Steppke nicht nur das Musizieren im Kopf. 1963, beim Besuch John F. Kennedys im Schöneberger Rathaus, machte Maurenbrecher es sich zur Aufgabe, die günstigste Route herauszusuchen, um dem US-Präsidenten mit dem Roller hinterherzufahren. "An jedem Haltepunkt drängte ich mich durch die Menge nach vorn, winkte kurz und fuhr dann wieder weiter", erinnert sich der Liedermacher schmunzelnd. Während seines Studiums an der Freien Universität fühlte er sich dann, wie so viele damals, nicht mehr vom parlamentarischen System vertreten, ließ sich die Haare lang wachsen, las Marx und Engels und machte eine Weile "voll mit" bei der 68er-Bewegung. "Damals war es Mode, links zu sein. Ich habe mich erst später wieder davon distanziert", so Maurenbrecher.

Manfred Maurenbrecher (c) promo Manfred Maurenbrecher (c) promo

Die wilden Jahre gingen vorbei, die Liebe zu Wilmersdorf blieb. 2011 schrieb der Pianist den Song "Paradies Rüdi". Darin besingt er den Rüdesheimer Platz als "Besten und Geheimsten" der Stadt. Aber nicht nur den Rüdi besucht Maurenbrecher, dessen große Vorbilder Bob Dylan, Leonard Cohen und Franz Josef Degenhardt sind, gerne. "Die Straßenbahn ist eine tolle alte Bierkneipe! Sie hat sogar ein kleines Kulturprogramm", erzählt der Komponist. Außerdem könne er den Italiener Piazza Michelangelo am Breitenbachplatz, das Gasthaus Landauer und die Weinstube Habel empfehlen. Zum Schmökern zieht es den gelernten Germanisten in die Buchhandlung Der Zauberberg an der Bundesallee. Ein bisschen störe ihn manchmal die Kleinkariertheit im Kiez, zum Beispiel dass Anwohner sich über die Lautstärke am Supermarkt aufregen, weil der bis 24 Uhr geöffnet hat. "Wir leben immerhin in einer Großstadt", merkt der Ur-Berliner dazu nur an. Ansonsten liebe er aber die freundschaftliche Art, die Unaufgeregtheit und Offenheit, mit der die Nachbarn hier einander begegneten.

Maurenbrechers Album "Rotes Tuch" erscheint zwar offiziell erst am 10. April, aber Fans müssen sich nicht ganz so lang gedulden: Vom 25. bis zum 28. Februar 2015 finden im Mehringhof-Theater in Kreuzberg jeden Abend jeweils ab 20 Uhr Record-Release-Konzerte statt. Karten kosten zwischen 10 und 20 Euro.

Restaurant Pastis

Rüdesheimer Str. 9
14197 Berlin

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Quelle: QIEZ
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