Lebendiger Gedenkort

Besuch im Lilienkulturgarten

Besuch im Lilienkulturgarten
Das Eingangsportal zum Friedhof in der Lilienthalstraße - mehr Bilder siehst du in unserer Bilderstrecke. Zur Foto-Galerie
Südstern - An einem strahlend schönen Sommertag haben wir ein paar freie Minuten für einen kleinen Spaziergang rund um den Südstern genutzt. Dabei stießen wir auf den sogenannten "Lilienkulturgarten" - einen wunderschön versteckten Ort zum Aufatmen - und Erinnern.

Die Lilienthalstraße auf der Grenze zwischen Kreuzberg und Neukölln ist geprägt von schick sanierten Altbauten, kleinen Cafés und der beeindruckenden St. Johannes-Basilika, dem größten katholischen Kirchengebäude Berlins. Dort, wo die Straße leicht nach Südwesten abbiegt, stoßen Passanten unvermittelt auf ein ungewöhnlich mächtiges, von Bäumen umstandenes Eingangsportal sowie einen Glaskasten, in dem Veranstaltungen im sogenannten „Lilienkulturgarten“ angekündigt werden. Das macht natürlich neugierig. Was für ein Ort ist das hier – Friedhof, Parkanlage, Kulturzentrum? Anworten liefert natürlich nur ein Blick hinter das steinerne Tor.

Skulptur im Lilienkulturgarten (c) Trieba
Das Pförtnerhaus im Inneren des mächtigen Steinkolosses, auf dessen Spitze ein Kreuz thront, ist unbesetzt. Doch der Blick wird ohnehin von einem weiteren monumentalen Bauwerk im Zentrum der vor uns liegenden Parkanlage angezogen. Die sogennante „Ehrenhalle“ ist an diesem Vormittag verschlossen, im Eingangsbereich übt ein jungen Pärchen Fechten, Schmetterlinge flattern durch die Luft, Bäume rauschen. Eine idyllische Atmosphäre, die so gar nicht zur NS-Ästhetik des zentralen Bauwerks passen will. Auch die beiden Gedenksteine links und rechts vom Hauptweg brechen die schöne Stimmung. „Den Toten im Osten“ und „Gegen Krieg und Gewalt“ lauten die Inschriften.

Kriegsgräberstätte wird Kulturzentrum

Wir befinden uns an einem Gedenkort: Der Friedhof Lilienthalstraße ist eine der zentralen Kriegsgräberstatten Berlins, die seit 1950 vom Volksbund Kriegsgräberfürsorge gepflegt wird. Angelegt wurde der Begräbnisort zwischen 1938 und 1941 nach Plänen des NS-Architekten Wilhelm Brüning für gefallene Wehrmachtssoldaten, die offizielle Einweihung erfolgte am 10. Mai 1940. Anders als geplant, diente die rund 98.000 Quadratmeter große Anlage zwischen der Hasenheide und der Lilienthalstraße – inklusive des zentralen Ehrenfriedhofs – bereits ab 1941 auch der Bestattung von Zivilisten und Bombenopfern an der „Heimatfront“. Heute ruhen hier rund 5.000 Kriegsopfer in Einzelgräbern und ungezählte Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Sammelgräbern.

Mittlerweile ist der Friedhof jdoch nicht mehr nur stiller Gedenkort – es weht auch ein frischer Wind durch die Anlage. Seit einigen Jahren bemühen sich der polnische Unternehmerverband NIKE e.V. und studentische Gruppen wie die „Gemeinschaft für studentischen Austausch in Mittel- und Osteuropa“ um eine Belebung des Friedhofs. Verschiedene Ausstellungen waren bereits auf dem Gelände zu Gast und wenn alles klappt, soll der sogenannte „Lilienkulturgarten“ künftig Seminar- und Proberäume sowie einen Raum für kulturelle Veranstaltungen beherbergen. Geplantes Herzstück: Die zu einer deutsch-polnischen Bibliothek umgebaute Trauerhalle.

„Ich find es gut, dass man den Friedhof an der Lilienthalstraße aus seinem ‚Dornröschenschlaf‘ aufwecken und ihn mehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken möchte. Schließlich sollten kommende Besucher nicht mehr so überrascht durch das steinerne Portal stolpern wie ich.“

Foto Galerie

Besuch im Lilienkulturgarten, Lilienthalstraße 7, 10965 Berlin
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