Seinen Rückzieher kurz vor der Wahl begründete der amtierende Regierende Bürgermeister damit, dass er nicht mehr bei der Bevölkerung mit seinen Themen durchdringen könnte – wohl aufgrund der anhaltenden Kritik an seiner Kommunikation beim Stromausfall im Januar. Auch Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) wird nicht als Spitzenkandidatin ihrer Partei antreten. Damit steht nun fest: Berlin bekommt im September zum vierten Mal innerhalb von fünf Jahren einen neuen Bürgermeister. Wer sind die neuen Spitzenkandidaten – und wie sieht ihre Zukunftsvision für die Stadt aus?

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Unsicher? Der Wahl-O-Mat bietet Orientierung

Wer die Kandidaten schon kennt, sich aber noch gänzlich unsicher bei seiner Entscheidung ist, dem könnte der Wahl-O-Mat weiterhelfen. Wie gewohnt wird anhand verschiedener Statements zu Fragen, die im politischen Berlin aktuell heiß diskutiert werden, ermittelt, welcher Partei der Nutzer am nächsten stehen könnte. So können Nutzer bei Aussagen wie „Die Autobahn A100 soll wie geplant weitergebaut werden“ zwischen „stimme zu“, „neutral“ und „stimme nicht zu“ wählen. Alternativ können einzelne Fragen auch übersprungen werden. Je mehr beantwortet werden, desto genauer ist das Ergebnis jedoch. So können Nutzer unter anderem Statements zur Vergesellschaftung privater Wohnungskonzerne, Klimaneutralität oder Gesundheitspolitik bewerten. Das Endergebnis ist keine direkte Empfehlung, wem du am Ende deine Stimme geben sollst, sondern soll Orientierung anhand der wichtigsten Themen bieten.

Stefan Evers (CDU)

Stefan Evers führt die Berliner CDU in die Abgeordnetenhauswahl, nachdem der Regierende Bürgermeister Kai Wegner seine Spitzenkandidatur am 10. Juli 2026 zurückgezogen hatte. Der 46-jährige Evers sitzt seit rund 15 Jahren im Abgeordnetenhaus und war im Senat Wegner zunächst Finanzsenator. Nach dem Rücktritt von Sarah Wedl-Wilson übernahm er zusätzlich das Kulturressort. Seit dem 13. Juli ist er offiziell Spitzenkandidat und kommissarischer CDU-Landesvorsitzender. Evers wuchs in Paderborn auf, studierte Jura in Potsdam und zog Ende der 1990er-Jahre nach Berlin. Politisch steht er nach eigener Darstellung für einen modernen Konservatismus. Als Finanzsenator verantwortete er zwei Doppelhaushalte und setzte angesichts der hohen Berliner Verschuldung auf einen Sparkurs.

Steffen Krach (SPD)

Die Berliner SPD will mit Steffen Krach das Rote Rathaus zurückerobern. Der 1979 in Hannover geborene Politiker studierte Sozialwissenschaften in Göttingen und Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Seine politische Laufbahn begann er 2007 als persönlicher Referent des damaligen Wissenschaftssenators Jürgen Zöllner. Später wurde er dessen Büroleiter und arbeitete auch für Zöllners Nachfolgerin Sandra Scheeres. Nach einer Zwischenstation bei der SPD-Bundestagsfraktion wurde Krach 2014 Berliner Staatssekretär für Wissenschaft. Seit 2021 war er Regionspräsident der Region Hannover, ließ sich für den Berliner Wahlkampf jedoch langfristig beurlauben. In dieses Amt kann er nach der Berlin-Wahl nicht zurückkehren, da bereits eine Woche zuvor eine neue Regionsspitze gewählt wird.

Werner Graf und Bettina Jarasch (Grüne)

Die Grünen treten offiziell mit einer Doppelspitze aus Bettina Jarasch auf Listenplatz eins und Werner Graf auf Listenplatz zwei an. Kandidat für das Amt des Regierenden Bürgermeisters ist allerdings Graf. Der 1980 in der Oberpfalz geborene Politiker studierte internationale Politikwissenschaft in Bremen und war unter anderem Mitbegründer sowie Vorsitzender der Grünen Jugend Bayern und Sprecher des Bundesverbandes. Durch Claudia Roth kam er in die Bundesgeschäftsstelle der Grünen nach Berlin. Dort machte er vor allem im linken Parteiflügel in Friedrichshain-Kreuzberg Karriere. Von 2016 bis 2021 führte er gemeinsam mit Nina Stahr den Berliner Landesverband. Seit 2021 gehört Graf dem Abgeordnetenhaus an und war bereits an zwei Koalitionsverhandlungen beteiligt.

Elif Eralp (Die Linke)

Elif Eralp führt die Berliner Linke erstmals als Spitzenkandidatin in eine Abgeordnetenhauswahl. Die Juristin wurde 1981 in München geboren. Ihre Eltern waren sozialistische Gewerkschafter und Anfang der 1980er-Jahre aus politischen Gründen aus der Türkei geflohen. Nach ihrem Jurastudium zog Eralp 2010 nach Berlin und arbeitete zunächst als Rechtsreferentin für die Bundestagsfraktion der Linken. Der Partei trat sie 2017 bei, seit 2021 sitzt sie im Berliner Abgeordnetenhaus. Politisch engagiert sie sich insbesondere gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit. Im Wahlkampf will Eralp vor allem jüngere Menschen ansprechen und die Bezahlbarkeit des Lebens in Berlin, insbesondere bei den Mieten, in den Mittelpunkt stellen. Innerhalb der Berliner Linken gilt sie als Kandidatin, auf die sich die verschiedenen Parteiflügel verständigen konnten.

Kristin Brinker (AfD)

Kristin Brinker tritt nach 2021 und der Wiederholungswahl 2023 bereits zum dritten Mal als Spitzenkandidatin der Berliner AfD an. Die 1972 in Sachsen-Anhalt geborene Politikerin kam nach der Wiedervereinigung nach Berlin. Sie arbeitete zunächst als Anlageberaterin bei der Berliner Volksbank, absolvierte eine Ausbildung zur Bankkauffrau und studierte anschließend Architektur an der Technischen Universität Berlin, wo sie auch promovierte. Seit 2000 war sie selbstständig in der Hausverwaltung sowie in der Objekt- und Baubetreuung tätig. Brinker gehört seit der Gründung 2013 der AfD an und zog 2016 ins Abgeordnetenhaus ein. Ihre öffentlichen Auftritte sind zwar im Vergleich zu anderen AfD-Politikern eher moderat, doch zugleich steht sie für die Stärkung des extrem rechten Parteiflügels unter ihrer Führung – bekannt sind auch ihre Kontakte zu rechtsextremen Akteuren wie Martin Sellner.

Christoph Meyer (FDP)

Christoph Meyer soll die FDP zurück in das Berliner Abgeordnetenhaus führen. Bei der Wiederholungswahl 2023 war die Partei an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert. Meyer wurde 1975 in Berlin geboren, ist Jurist und bereits seit 1993 Mitglied der FDP. Von 2010 bis 2012 führte er erstmals den Berliner Landesverband, seit 2018 hat er dieses Amt erneut inne. Das Abgeordnetenhaus kennt er aus seiner Zeit als Parlamentarier zwischen 2002 und 2011; von 2009 bis 2011 war er zudem Vorsitzender der FDP-Fraktion. Anschließend gehörte Meyer von 2017 bis 2025 dem Deutschen Bundestag an. Als Spitzenkandidat folgt er auf Sebastian Czaja, der die FDP in die Wahlkämpfe 2016, 2021 und 2023 geführt, die Partei inzwischen jedoch verlassen hat.

Alexander King und Michael Lüders (BSW)

Das 2024 gegründete Bündnis Sahra Wagenknecht tritt erstmals bei einer Berliner Abgeordnetenhauswahl an. Angeführt wird die Partei von einer Doppelspitze aus Alexander King und Michael Lüders. King steht auf Platz eins der Landesliste und ist zugleich Vorsitzender des Berliner BSW. Er wurde 1969 in Tübingen geboren und kam 2001 nach Berlin. Dort schloss er sich zunächst der PDS an, arbeitete lange als Referent der Linksfraktion im Bundestag und leitete fünf Jahre lang den Bezirksverband der Linken in Tempelhof-Schöneberg. Seit Dezember 2021 gehört King mit einer kurzen Unterbrechung dem Abgeordnetenhaus an. Ende 2023 verließ er die Linke und beteiligte sich anschließend am Aufbau des Berliner BSW. Zweiter Spitzenkandidat ist der Nahostexperte und stellvertretende BSW-Bundesvorsitzende Michael Lüders.

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