Gastbeitrag des BBWA

Stein um Stein am Engelbecken

Stein um Stein am Engelbecken
Marmorwaren von Kessel & Röhl
SO36 - Heutzutage ist die Gegend rund ums Engelbecken ein angesagter Szenetreff, an dem sich vor allem im Sommer Berliner wie auch Touris tummeln. Doch vor über 160 Jahren befand sich hier ein aufblühendes Wirtschaftszentrum, das vor allem von der Verarbeitung eines wertvollen Steins geprägt war.

Der Luisenstädtische Kanal verband ab 1852 den Landwehrkanal mit der Spree in einem abgeknickten Verlauf: Wie ein geschwollenes Knie wurde an der Michaelkirche das Engelbecken angelegt, das sowohl als Markt auf dem Wasser als auch als Flanierpromenade fungieren sollte. Der Kanal sorgte für ein Aufblühen des Gewerbes.

1862 gründete Gustav Adolf Kessel eine Marmorwarenfabrik am Kanal, denn sein schweres Material ließ sich am besten auf dem Wasserwege transportieren. Vier Jahre später tat er sich mit Hermann Röhl zusammen.

Am Bauboom der rasch wachsenden Hauptstadt konnten Kessel & Röhl teilhaben und schafften 1869 schwere Maschinen an, die sie auf ihrem Werkplatz am Engelbecken, Elisabethufer 53, einsetzten. Der Werkstoff – vor allem Granit, Marmor und Kalkstein – kam aus Schweden und Norwegen. Das Unternehmen steuerte die Säulen am Post-Museum bei, den Sockel der Kriegs-Akademie Unter den Linden und Teile der Oberbaumbrücke. Die Firma stand in ihrer Selbstbeschreibung für „monumentale Arbeiten aus schwedischem Granit“.

Das Überdauern der Zeit

Grabsteine und ganze Erbbegräbnisse standen im weitläufigen Lager von Kessel & Röhl. Anfang des 20. Jahrhunderts geriet das Geschäft in Turbulenzen, Werkstatt und Lager zogen vor dem Ersten Weltkrieg in die Linkstraße um, doch in der Inflationszeit schloss Kessel & Röhl seine Pforten – Denkmäler, Erbbegräbnisse und Grabsteine hingegen überdauern womöglich die Zeiten.

Am alten Kanal, seit 1926 zugeschüttet und nunmehr ein Park, steht bis heute das 1903/4 errichtete Wohnhaus mit vier Gewerbehöfen, das heute als Engelbeckenhof unter Denkmalschutz steht.

Dieser Artikel wurde uns zur Verfügung gestellt vom Berlin-Brandenburgischen Wirtschaftsarchiv (BBWA). Über viele Facetten der Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte gibt es heute keine Unterlagen mehr. Das Wirtschaftsarchiv hat die Aufgabe, Unterlagen zur Berliner Wirtschaft zu sichern und für die Nachwelt zu erhalten. Hinweise hierzu sind herzlich willkommen.


Quelle: kompakt

Berlin-Brandenburgisches Wirtschaftsarchiv, Eichborndamm 167, 13403 Berlin
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