Gastbeitrag des BBWA

Von der Industrie-Ikone zum Energieforum

Von der Industrie-Ikone zum Energieforum
Der Gasometer in Schöneberg war früher ein Niedrigdruckgasbehälter. Heute wird unter der Veranstaltungskuppel der Politik-Talk von Günther Jauch gedreht. Zur Foto-Galerie
Rote Insel - Das Stadtbild in Schöneberg ist vor allem geprägt von dem Stahlgerüst des Gasometer. Seit 1994 ist der fast 80 Meter hohe Industrieriese denkmalgeschützt. Doch damit hört seine Geschichte nicht auf.

Wer kennt das Aufnahmestudio der ARD-Talkshow mit Günther Jauch am Sonntag? Es befindet sich in der Torgauer Straße im Speichergerüst des früheren Schöneberger Gaswerks. Mit 78 Metern Höhe überragt der Gasometer in der Schöneberger Skyline den Turm des Rathauses um acht Meter.

Gas diente vor allem als Beleuchtung der Wohnungen und der Straßen. Als Koch- und Heizquelle setzte es sich erst um 1930 durch. Die englischen Gaswerkbetreiber der Familie Drory schieden zwar aus den Verträgen mit der Stadt Berlin aus, bauten aber weiterhin diese Anlagen in den Vororten. So auch ab 1871 das Gaswerk in Schöneberg. Der heutige Gasspeicher wurde 1910 vom Anlagenbauer Pintsch-BAMAG errichtet. Er hatte ein Fassungsvermögen von 160.000 cbm Gas. Schon um 1930 wurden 20 der insgesamt 28 Berliner Gaswerke stillgelegt. Der Schöneberger Gasometer diente fortan nur noch als Lastverteiler. Es folgte nach 1945 die Energiewende von der Kohle zum Heizöl, später zum Erdgas.

EUREF: Europäisches Energieforum

Bamag Triebwerke
Die Speicherung von Gas endete 1995. Seit 2008 ist die Entwicklung des Standortes zu einem Forschungsschwerpunkt für Energieeffizienz beim Bauen, im Verkehr und in der Versorgungsinfrastruktur angelaufen. Seit 2012 bietet die Technische Universität Berlin entsprechende Masterstudiengänge auf dem Gelände des Gasometers an. Bis 2018 ist der Vollausbau durch Hotels, Sport- und Freizeiteinrichtungen, Gastronomie und einen Wissens- und Technologiepark vorgesehen.    

Dieser Artikel wurde uns zur Verfügung gestellt vom Berlin-Brandenburgischen Wirtschaftsarchiv (BBWA). Über viele Facetten der Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte gibt es heute keine Unterlagen mehr. Das Wirtschaftsarchiv hat die Aufgabe, Unterlagen zur Berliner Wirtschaft zu sichern und für die Nachwelt zu erhalten. Hinweise hierzu sind herzlich willkommen.    

Foto Galerie


Quelle: kompakt

Berlin-Brandenburgisches Wirtschaftsarchiv, Eichborndamm 167, 13403 Berlin

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