Wohnen in Spandau

Neu-Jerusalem: Juwel auf den zweiten Blick

Neu-Jerusalem: Juwel auf den zweiten Blick
Häuser an der Heerstraße 645c bis 645h.
Staaken - Kurz bevor man Berlin über die fast zehn Kilometer lange Heerstraße verlässt, taucht die denkmalgeschützte Siedlung mit dem nahöstlichen Namen auf. Man muss jedoch Ausschau halten, um sie nicht achtlos zu passieren. Ein Anstrich würde den architektonischen Glanz der 1920er Jahre wiederbeleben.

Leider befinden sich die meisten Gebäude der Siedlung Neu-Jerusalem in keinem guten Zustand, weshalb sie oft erst beim zweiten Blick wahrgenommen werden. Der lohnt allerdings. Die im Spandauer Ortsteil Staaken befindliche und denkmalgeschützte Wohnanlage besteht aus 21 baugleichen Doppelhäusern und einem Einzelhaus auf beiden Seiten der Heerstraße. Im Stil strenger Kuben errichtet, wirken die Häuser selbst nach über 80 Jahren noch avantgardistisch.

Die Siedlung Neu-Jerusalem entstand 1923 bis 1925 und sollte den Angehörigen der nahe gelegenen Fliegerakademie des Luftschiffhafens in Staaken als Unterkunft dienen. Erwin Anton Gutkind, der verantwortliche Architekt, orientierte sich am damals populären Bauhaus-Stil der sogenannten Neuen Sachlichkeit. Die würfelförmige Gestaltung der Häuser wirkte in dieser idyllischen Umgebung besonders avantgardistisch und traf nicht jedermanns Geschmack. Viele Bewohner entfernten schon wenige Jahre nach dem Bau die rote Klinkerverkleidung an den oberen Stockwerken. Wie damals üblich, wurde den Häusern ein vergleichsweise großer Garten zugewiesen, der zur Selbstversorgung der Bewohner dienen sollte. Da die Häuser vermeintlich an arabische Bauten erinnerten, setzte sich bald der vom Volksmund verliehene Begriff „Neu-Jerusalem“ durch.

Rückkehr zur Avantgarde

Bis zum Mauerfall lag die Siedlung Neu-Jerusalem auf dem Gebiet der DDR, was dem Zustand der Häuser nicht zuträglich war. Doch auch nach der Wende gab es wegen knapper Kassen keine Investitionen in die Siedlung, die seit 1992 unter Denkmalschutz steht. Andere Siedlungen ähnlichen Baustils, wie die Weißenhofsiedlung in Stuttgart, haben jedoch gezeigt, wie sehr der Wohnwert durch eine Sanierung gesteigert wird. Ähnliches könnte auch in Neu-Jerusalem glücken.

2008 wurde das Areal vom Liegenschaftsfonds Berlin an den Investor NCE Northern Cross Estate verkauft, 2012 dann weiter über die Prinz von Sachsen Immobilien GmbH an verschiedene neue Eigentümer.

Wir wollen uns auf jeden Fall bald vor Ort umgucken, um zu sehen, ob sich in dieser Siedlung hinsichtlich Luxusmodernisierung & Co. etwas tut. QIEZ bleibt dran!


Quelle: kompakt

Neu-Jerusalem: Juwel auf den zweiten Blick, Heerstraße 645, 13591 Berlin
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