Mittwoch, 14. Mai 2014

Wo die hohen Sandberge stehen

Einst strömten Scharen nach Heiligensee, um Gebrechen wie Gicht oder Verdauungsbeschwerden loszuwerden. Heute ist der Bezirk im Nordosten Berlins allenfalls durch sein Strandbad im Sommer oder die hochgelobte Küche im Straßenbahndepot jenseits der Ortsgrenzen bekannt. Dabei gibt es hier vielmehr zu sehen, unter anderem eine von Berlins Sanddünen. Ortschronist Frank-Max Polzin alias Postmaxe hat QIEZ auf einen Dorfspaziergang eingeladen. 

    

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  • Heiligensee
    Foto: QIEZ - - ©Susanna Gotsch Los geht unsere Tour an Heiligensees schlimmster Straße. Gesäumt wird der Weg von einem eingezäunten Naturdenkmal, dem Bummpfuhl. Pflanzen und Tiere, die es so nicht mehr gibt, leben hier. Die einzigen, die hinein dürfen, sind die Wildschweine.
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    Foto: QIEZ - - ©Susanna Gotsch Weiter geht es zu einem weiteren spektakulären Naturdenkmal, den Sandbergen - einer Wanderdüne. Da diese mittlerweile von Bäumen bewachsen ist, wandert sie nicht mehr. Das ist auch gut so, denn sonst wäre der Friedhof vom Sande verschlungen.
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    Foto: QIEZ - - ©Susanna Gotsch Oben befindet sich das Schullandheim, das 1954 von Walter May gegründet wurde. Die Idee war, den Unterricht ins Grüne zu verlagern. Noch heute können sich Berliner Schulklassen anmelden und etwa vor einer bevorstehenden Reise testen, wie das gemeinsame Miteinander über mehrere Tage hinweg funktioniert.
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    Foto: QIEZ - - ©Susanna Gotsch Ein kleiner Weg neben dem Schullandheim schlängelt sich die Sanddüne hinauf. Sie ist ein Relikt aus der letzten Eiszeit. Höchster Punkt ist 62 Meter über NN (Normal Null). Früher konnte man von hier aus auf den Ort schauen. Heute verdecken Eichen und andere Bäume die Sicht. Im Winter wird die Düne zur Rodelbahn für Heiligenseer Kinder.
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    Foto: QIEZ - - ©Susanna Gotsch Auf dem sandigen Boden wachsen seltene Pflanzenarten. Das sogenannte Pioniergras dient zur natürlichen Befestigung der gesamten Düne.
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    Foto: QIEZ - - ©Susanna Gotsch Am Fuße der Düne ein Zeltplatz, auf dem Jugendgruppen aus ganz Deutschland übernachten.
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    Foto: QIEZ - - ©Susanna Gotsch Der nächste Pfuhl - der Lingenpfuhl - ist über und über mit Entengrütze bedeckt. Hier fühlen sich nicht nur Enten sondern auch Wildschweine wohl.
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    Foto: QIEZ - - ©Susanna Gotsch Wenige Meter weiter: ein Spielplatz mitten im Wald. Er grenzt an den Mühlenweg an. Die Heiligenseer Bauern sind an dieser Stelle durch den Wald bis zur Humboldt-Mühle in Tegel gewandert, um ihr Korn mahlen zu lassen. Bis 1850 wurde dieser Weg genutzt, dann bekam Heiligensee eine eigene Bockwindmühle und der Weg verlor an Bedeutung.
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    Foto: QIEZ - - ©Susanna Gotsch Hinter dem Wald befindet sich die Havel. An dieser Stelle befand sich etwa in der Mitte des Gewässers die Grenze zur DDR. Trieb ein Segeler einmal ab, kamen sofort die Schnellboote der NVA und nahmen den Eindringling in Gewahrsam. Auf der anderen Seite ist Papenberge zu sehen. Die Göttin des Lichts soll dort gelebt haben.
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    Foto: QIEZ - - ©Susanna Gotsch Den Anfang eines kleinen Uferwanderwegs bildet dieses hübsche Häuschen.
  • Heiligensee
    Foto: QIEZ - - ©Susanna Gotsch Eine kleine Attraktion am Wegesrand: das einzige reetgedeckte Haus Heiligensees.
  • Heiligensee
    Foto: QIEZ - - ©Susanna Gotsch Eigentlich sollte dieser Wanderweg von Tegel bis nach Heiligensee gehen. Dann ging dem Senat das Geld aus und der Weg endet abrupt. Hier der Ausgang.
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    Foto: QIEZ - - ©Susanna Gotsch In den Schifferbergen stand früher ebenfalls eine Sanddüne, die allerdings nicht bewachsen war. Der Sand hier war so hell und lechtend, dass die Düne den Schiffern als natürlicher Leuchtturm diente. Am Fuße der Düne befand sich einst das Ausflugslokal Tivoli mit einem riesigen Vergnügungspark. Während des Zweiten Weltkrieges legte die Wehrmacht ein Verpflegungslager ein, welches später mit Eindringen russischer Soldaten abgebrannt wurde.
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    Foto: QIEZ - - ©Susanna Gotsch Das Haus des ehemaligen Schützenvereins. Bis in die 80er Jahre hinein konnte man hier vorzüglich speisen. Heute sind darin Privatwohnungen untergebracht.
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    Foto: QIEZ - - ©Susanna Gotsch Der parkähnlich angelegte Friedhof wurde 1910 eröffnet. Der kleine Friedhof im Dorf reichte damals nicht mehr aus. Auf diesem Plateau befindet sich im Hintergrund ein drei Meter hohes Kreuz aus rotem Sandstein, davor drei Dreiergruppen von Kreuzen. Hier liegen Kriegsopfer aus Frankreich, Belgien und den Niederlanden.
  • Heiligensee
    Foto: QIEZ - - ©Susanna Gotsch Der Friedhof auf dem Friedhof. An dieser Stelle liegen ausschließlich Franzosen, die sich für Frankreich verdient gemacht hatten. Der Friedhof ist auch heute noch in Betrieb.
  • Heiligensee
    Foto: QIEZ - - ©Susanna Gotsch Diese Gedenktafel soll an den Jesuitenpriester Robert Emile Jac Jacquinot de Besagne erinnern, der im japanisch-chinesischen Krieg Tausenden das Leben gerettet hat. Er selbst starb 1946.
  • Heiligensee
    Foto: QIEZ - - ©Susanna Gotsch Noch ein berühmtes Grab: das der Dadaistin Hannah Höch. Das Haus, in dem sich die Jüdin viele Jahre versteckt hielt, steht noch immer. Es ist das ehemalige Flugwärterhäuschen vom Flugplatz Heiligensee.
  • Heiligensee
    Foto: QIEZ - - ©Susanna Gotsch Außer Gräbern gibt es auf dem Friedhof zwei eindrucksvolle Ornamente der Wiener Brücke zu bestaunen. Sie wurden nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem Schutt geborgen und hier aufgestellt.
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    Foto: QIEZ - - ©Susanna Gotsch Der Grund? Beide Ornamente wurden von der Gipsformerei der Gebrüder Micheli auf der Friedrichstraße hergestellt. Die Inhaber sind auf dem Friedhof begraben. Die Originale der Ornamente hängen im Pergamonmuseum.
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    Foto: QIEZ - - ©Susanna Gotsch Die achteckige Friedhofs-Kapelle ist so klein, dass der Glockenturm außerhalb steht.
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    Foto: QIEZ - - ©Susanna Gotsch Im Sommersonnenbad am Heiligensee badete man früher getrennt - auf der einen Seite die Herren und auf der anderen die Damen.
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    Foto: QIEZ - - ©Susanna Gotsch Über den Heiligensee führt die Sandhauser Brücke. Sie wurde gebaut, damit Schiffe zum geplanten Wasserwerk fahren konnten. Das Werk wurde nie gebaut, die Brücke aber blieb. Übrigens ist der 350 Quadratmeter große See der einzige Berlins, der sich seit 1907 in Privatbesitz befindet. Entstanden ist der See in der letzten Eiszeit. Seine Wasserqualität ist hervorragend: 22 verschiedene Fischarten fühlen sich in dem Gewässer wohl.
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    Foto: QIEZ - - ©Susanna Gotsch Ein Haus mit Geschichte: Das Seeschloss war früher einmal Ausflugslokal mit Hotelbetrieb, Saal zum Feiern und Biergarten zum Ausspannen. In den 1950er Jahren befand sich darin ein Kino, unter selbem Namen. Der Saal wurde abgerissen dafür Stadtvillen gebaut. Im Haupthaus ist heute eine Arztpraxis untergebracht.
  • Heiligensee
    Foto: QIEZ - - ©Susanna Gotsch Rund um den Dorfanger gruppieren sich Häuser aus Niederbarnimer Zeit, dieses hier mit aufwendigen Verzierungen aus Stuck. Der sogenannte Hochzeitseingang wurde nur zu Hochzeiten geöffnet oder zu Beerdigungen. Ansonsten ist die Tür immer geschlossen.
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    Foto: QIEZ - - ©Susanna Gotsch Im ehemaligen Straßenbahndepot befindet sich heute ein Restaurant, in dem ein Sternekoch für das Essen zuständig ist
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    Foto: QIEZ - - ©Susanna Gotsch Davor ein historisches Tor mit dem Signet Straßenbahn der Gemeinde Tegelort und Heiligensee.
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    Foto: QIEZ - - ©Susanna Gotsch Das älteste Haus des Angerdorfs aus dem Jahr 1739. Es handelt sich um ein Mitteldiehleneingangshaus. Dass es so alt ist, erkennt man daran, dass es sich nicht in der Bauflucht befindet, sondern zurückgesetzt ist.
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    Foto: QIEZ - - ©Susanna Gotsch Das zweite Restaurant im Ort: die historische Gaststätte zur Dorfaue. Im großen Saal finden oft Veranstaltungen statt.
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    Foto: QIEZ - - ©Susanna Gotsch Gegenüber der letzte Maulbeerbaum Heiligensees, der zur Zeit des Alten Fritzes gepflanzt wurde. Gepflegt wurden die Bäume, von denen es etwa 17 Stück in Heiligensee gab, vom Küster und von den Lehrern. Heute macht das Efeu dem Baum schwer zu schaffen.
  • Heiligensee
    Foto: QIEZ - - ©Susanna Gotsch Wie fast jeder Stadtteil Berlins hat auch Heiligensee eine Freiwillige Feuerwehr. Diese wurde 1908 gegründet. Nebenan das ehemalige Rathaus aus dem Jahr 1910. 1920 zog hier die Dorfschule ein.
  • Heiligensee
    Foto: QIEZ - - ©Susanna Gotsch Eine kleine Attraktion am Dorfanger: Im Versicherungscafé gibt es zur Hausrat einen Cappuccino und zum Kinderkrankenschutz Gummibärchen.
  • Heiligensee
    Foto: QIEZ - - ©Susanna Gotsch Wir bekommen auch ohne Versicherungsabschluss Kaffee und Kuchen.
  • Heiligensee
    Foto: QIEZ - - ©Susanna Gotsch Die beiden Inhaber Christine und Christian Schrainer kennen den Postmaxe, seit sie nach Heiligensee zogen.
  • Heiligensee
    Foto: QIEZ - - ©Susanna Gotsch Der Heimatverein, in dem Herr Polzin Mittglied ist, ließ anlässlich des 700-jährigen Bestehens von Heiligensee dieses kleine Denkmal errichten.
  • Heiligensee
    Foto: QIEZ - - ©Susanna Gotsch Letzte Station der Tour ist die Dorfkirche. Sie legt Zeugnis ab, wie der Ort zu seinem Namen kam. Dieser stammt vom Heiligensee. Man hatte dem Wasser früher heilige Kräfte zugesagt. Von nah und fern kamen die Leute, badeten darin, tranken vom Wasser und gingen als geheilt erklärt wieder nach Hause. Jahrzehnte lang wurden im Glockenturm der Dorfkirche die Krücken der Geheilten aufgehangen.
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