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Top 10: Alternativ wohnen in Berlin

Top 10: Alternativ wohnen in Berlin
Ein wenig seefest sollte man schon sein, wenn man seinen Traum vom Haus auf dem Wasser verwirklicht.
Laut Möbelhaus-Werbung sollen wir uns ja alle fragen, ob wir schon leben oder noch wohnen. Die meisten richten sich dennoch einfach in ihrer Mietwohnung ein, während andere nach Alternativen suchen. Hier sind originelle Wohnkonzepte zum Nachmachen ...

Ökodorf und Kommunen

Was hat Sex mit gesundem Leben zu tun? Solche Fragen können nur Gegner der ökologischen Kommunen aufwerfen, die sich noch immer oder wieder in Deutschland sehr frei entfalten. Natürlich gibt es auch stinknormale Ökodörfer, in denen Menschen in monogamen Beziehungen oder gar enthaltsame Single wohnen. Das bekannteste Ökodorf in Brandenburg ist allerdings tatsächlich der freien Liebe zugetan: Im Bad Belziger Zegg, Zentrum für experimentelle Gesellschaftsgestaltung, werden Nachhaltigkeit und Sexualität groß geschrieben. Freiheit kann hier auch bedeuten, dass zwei Menschen aus der Kommune einander (eine Zeit lang) treu bleiben wollen. Selbstversorgung, Stärkung regionaler Kreisläufe, Nutzen nachwachsender Rohstoffe und andere umweltfreundliche Aktionen sind so selbstverständlich wie in allen Ökodörfern. Wer eher vom absoluten Landidyll und heiler Familienwelt träumt, sollte sich das Ökodorf Brodowin näher ansehen. Die ehemalige LPG hat sich gemeinsam mit Aktivisten und Naturschützern nach der Wende zum Bio-Vorzeigedorf entwickelt. Hier ziehen alle an einem Strang, um mit nachhaltiger Landwirtschaft, Verarbeitung und Vertrieb ökologische Lebensmittel anbieten zu können und Menschen von jung bis alt mit einzubinden. Gemeinschaftliches Wohnen gehört hier nicht zum Konzept, aber die Dorfgemeinschaft sorgt sich umeinander und hat einiges zu bieten für Kinder, Laien-Schauspieler, Fußball-Fans, Angler, Radler, Chorsänger und andere gesellige Menschen.

Wohnverwandtschaften

Der Trend geht zum Single-Haushalt, aber wollen wir wirklich alle allein leben? Im Jahr 2030 werden das über 50 Prozent der Berliner laut Studien tun. Aber keine Angst, du musst nicht einsam am Herd stehen: Falls du noch Saft und Kraft hast, ist Wohnen gegen Hilfe eine Alternative. Diese WG-Version bringt Menschen zusammen, die sich gegenseitig unterstützen. Sei es ein Mitbewohner, der eine alleinerziehende Mutter bei der Kinderbetreuung unterstützt oder ein Zimmer-Mieter der sich um Haus und Hund eines Vielreisenden kümmert. Eine beliebte Variante ist das Zusammenwohnen junger Menschen mit Senioren. Die Jüngeren profitieren von Lebensweisheit und Mietersparnis, die älteren Herrschaften von der Hilfe bei  Einkäufen, im Haushalt oder moderner Technik. In anderen Bundesländern gibt es auch schon Seniorenheime, die jungen Menschen Zimmer anbieten, in Berlin hat sich das Konzept noch nicht durchgesetzt. Hier haben verschiedene Webseiten wie WG-gesucht Wohnen gegen Hilfe im Programm. Ein weiteres Projekt mit dem Namen AlWiG bringt elf wohlhabende Rentner nach Neukölln, um den sozialen Brennpunkt aufzulockern und die Nachbarschaft zu stabilisieren. Das machen die Ruheständler nicht allein durch ihre Anwesenheit sondern mit Hausaufgabenhilfen, Babysitting und Engagement in Nachbarschaftstreffs und Vereinen. Eine dritte Chance auf Wohnverwandschaft hast du bei generationsübergreifenden Wohnprojekten wie in der Alten Schule Karlshorst oder im Sonnenhaus in Niederschöneweide. Dort lebt man nicht nur nebeneinander, sondern aktiv miteinander.

Tiny Houses und Container

Was Minimalismus bedeutet, kann dir wohl am besten ein Tiny-House-Bewohner beantworten. Als der Architekt Van Bo Le-Mentzel den Prototypen seines Tiny100 vorstellte, blieb uns schon der Atem weg. In einem Häuschen nach seinem Konzept lebt man auf 6,4 bis maximal 10 Quadratmetern. Die Einrichtung ist so einfach wie genial und meistens klappbar. Bis Le-Mentzel mit diesem Projekt erschwinglichen Wohnraum für alle ermöglichen kann, werden aber wohl noch einige Jahre vergehen. Zumal es Grundstücke bedarf, um dem Ärger mit Berliner Behörden aus dem Weg zu gehen. Denn eins ist sicher, in Deutschland braucht man für alles eine Genehmigung, auch für selbständige Wohnraumbeschaffung. International leben aber schon einige Menschen in Tiny Houses. Wenig Platz zu nutzen ist übrigens auch das Prinzip von den Containern, die 40 feet devolopment entwickelt hat. Der Vorteil hier: Die Apartments sind stapelbar, allerdings hat sich das Konzept in Berlin noch nicht durchsetzen können.

 

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Baugruppen

Einst waren es Linksalternative, die mit der Idee der Baugruppe schöner Wohnen für Jedermann ersannen. Heute werden Baugruppen von Linken gemobbt, Baustellen verwüstet oder Neubauten dauer-besprüht. Wer nicht gerade versucht, auf der Rigaer Straße mit dem modernen Eigenheim glücklich zu werden, kann mit einer Baugruppe relativ kostengünstig einen Traum verwirklichen. Auf Plattformen wie Cohousing-Berlin treffen sich künftige Mitstreiter und Experten, um aus einer Idee ein Dach über dem Kopf werden zu lassen. Baugruppen und Genossenschaften sind nicht so elitär, wie es scheint. Bei steigenden Mietkosten und niedrigen Bauzinsen liegt es nahe, über ein Eigenheim nachzudenken. Wer mit weniger kreativem Ehrgeiz, aber dennoch nötigem Wagemut ausgestattet ist, der kann sich einem Kollektiv anschließen, das ein Mietshaus als Eigentümerkollektiv übernimmt. Solche Zusammenschlüsse finden sich zum Beispiel im Mietshäuser Syndikat vereint. Die autonomen Projekte, bei denen ein Haus durch Mieter vor dem Verkauf oder Abriss errettet wird, sind nicht einfach zu finanzieren und zu organisieren. Durch den Zusammenschluss verschiedener Projekte im gesamten Bundesgebiet verknüpft das Mietshäuser Syndikat Fachwissen, Erfahrungswerte und Ressourcen, um langfristig die Hausübernahmen zum Erfolg zu führen.

Zufalls-WG

Normalerweise muss man sich stundenlang im besten Licht zeigen, um einen Platz in einer WG zu ergattern und nicht selten stellt sich hinterher heraus, dass man doch nicht zusammenpasst. Vielleicht regiert der Zufall da viel besser als das Bauchgefühl? In Moabit gibt es zum Beispiel die Zufalls-WG. Ausgesucht werden die Bewohner durch Community Manager, nach welchen Kriterien ist unklar. Und ob es dann wirklich funktioniert, sich mit wildfremden Menschen Küche, Bad und Waschsalon zu teilen, ist auch nicht garantiert. Günstig sind die 45 möblierten Wohnungen nicht, die die Medici Living Group in Moabit anbietet. Auch die ersten kleinen Smartments der GBI AG haben dieses Jahr eröffnet und andere Immobilienvermarkter werden mit ähnlichen Co-Living-Spaces folgen. Der Trend ist teuer und eigentlich nur etwas für Neu-Berliner, die noch gar nicht wissen, wo in unserer schönen Stadt sie sich zu Hause fühlen könnten.

Bauwagen

Schon als Kind waren wir Fans dieser Wohnform, schließlich gehörte Löwenzahn mit Peter Lustig und seinem großartigen Bauwagen zum TV-Pflichtprogramm. Bauwagen in Berlin werden der linken Szene zugeordnet, die Gründer in den 1980er Jahren waren zumeist ehemalige Hausbesetzer. Bei den heutigen Bewohnern steht weniger der politische als der ökologische Aspekt im Vordergrund. In Wagendörfern wie in Karow, das als größtes Deutschland gilt, gibt es mittlerweile alles, was das soziale Leben braucht: KiTa, Bibliothek, Yoga-Studio, Fußballplatz und Internetcafé. Gemüse und Obst werden selbst angebaut und alles andere gibt es in der Stadt. Denn trotz der Selbstversorgung und handwerklicher Nachbarschaftshilfe wohnen hier Berliner, die am Stadtleben teilnehmen. Es ist ein kleines Familienparadies, denn jeder hat hier seinen eigenen Wagen (auch zum Aus-dem-Weg-gehen) und doch lebt man zusammen. Mit Vorurteilen muss man allerdings leben können, denn das Ansehen der Bewohner ist in der Nachbarschaft noch nicht top. Wenn dich die Nachbarn zu sehr stressen, lässt du dir deinen Bauwagen einfach woanders hinkarren.

Temporäres Wohnen

Wer meint, Arbeit ist sein Leben und die Work-Life-Balance wäre nur was für Weicheier, der kann im Alltag oder Rollberg von Vollgut auf Zeit wohnen. Nein, im Ernst: Die beiden herbergsähnlichen Wohnprojekte sind für temporäre Mieter gedacht: „Menschen in einer Rehabilitationsphase, Gastprofessorinnen, vor Gewalt geflüchtete Mädchen und Frauen und Flüchtlinge aus Wohnheimen, Touristen und andere“, werden in der Mitteilung der Vollgut KG angesprochen. Als vorübergehende Nutzer werden also keineswegs Hipster anvisiert, die den Kiez eine Weile genießen und wieder von dannen ziehen. Nachhaltigkeit taucht als Schlagwort hier ebenso auf wie soziale Durchmischung. Die Stiftung, die das Areal in Neukölln erworben hat, steht jedenfalls dafür, Grundstücke vor Spekulanten zu retten.

Luxus

Die High-Socitey will auch in Berlin hoch hinaus. Ein russischer Investor hat das klar erkannt und setzt mit seinem Luxus-Turm am Alexanderplatz ein deutliches Wohnzeichen. Alexander, ja so originell wird der Turm heißen, soll 150 Meter hoch werden, 350 Wohnungen haben und gut 250 Millionen Euro bis zur Fertigstellung kosten. Mal sehen, ob 2019 die gehobene Gesellschaft dort einziehen wird. Abgesehen davon: In Berlin hat ja so manches Bauvorhaben länger gebraucht, als von den Planern erhofft. Das bisher teuerste Apartment der Stadt findet sich derweil im Yoo Berlin im SpreeKarree an der Friedrichstraße: das 250 Quadratmeter große Penthouse ist über sechs Millionen Euro wert. Allerdings wirst du dir den Pool mit den anderen Hausbewohnern teilen müssen. Schrecklich, dass sogar der Luxus Grenzen hat…

Hausboot

Im Sommer herrscht (abgesehen von den Mücken) auf dem Hausboot die reinste Idylle, im Winter ist gegen die Kälte kaum anzukommen. Diese Erfahrung teilen sich die gut 100 Berliner, die auf einem Hausboot leben. Für die verankerten Wohnräume braucht man auch ansonsten Kraft und starke Nerven: Es gibt meist nicht viel Wohnfläche und die Natur sorgt ständig für neuen Renovierungsbedarf. Wer sich einmal für ein Hausboot entschieden hat, will aber selten zurück in feste vier Wände. Neu-Bootsbewohner müssen zunächst an den Behörden in Berlin vorbei und die machen es selbst den Mit-allen-Wassern-Gewaschenen nicht leicht: Wer auf der Spree, Havel oder Dahme ansässig werden will, braucht eine Genehmigung. Manchmal wird die nur vorübergehend ausgestellt, wie die Hausboot-Bewohner am Treptower Park erleben mussten, denen 2013 der Steg gekündigt wurde… Manchmal hat man tatsächlich für immer eine neue Heimat gefunden wie die Glücklichen aus der ältesten Kolonie an der Tiergartenschleuse. Weitere Langzeitkolonien gibt es im Plötzenseer Kolk und in Spandau. Die Anlegestellen sind hier allerdings voll besetzt. Falls kein Liegeplatz zu finden ist, der genehmigt wird… solltest du mit dem Hausboot nach Amsterdam auswandern. Das ist die einfachste Lösung.

 

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Ein Beitrag geteilt von Caro (@caro__corazon) am Okt 14, 2018 um 10:39 PDT

Hauswächter

Du wolltest schon immer mal in einer Schule wohnen? Oder du brauchst so hohe Decken, dass dir eine Kirche gerade gelegen kommt? Dann bist du genau richtig für den Hauswächterjob. Die Wohnräume, die zum Beispiel der Immobilienverwalter Camelot anbietet, sind beneidenswert großzügig geschnitten. Auf den Fluren kann man Skateboarden, im Treppenhaus allein mehrstimmig singen. Und das besonders günstig. Die Kosten liegen bei rund 200 Euro Verwaltungsgebühren, die der Vermittler statt Miete monatlich einfordert. Der einzige Haken ist, dass man keinerlei Mietrechte hat. Wenn ein Käufer oder Investor für das Objekt gefunden wurde, müssen die Hauswächter ihre Zimmer räumen. Dein Herz darfst du also nicht an ein Gebäude verschenken…

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