Young Euro Classic Festival

Organisation der jungen Wilden

Organisation der jungen Wilden
Vor dem Konzerthaus Berlin am Gendarmenmarkt musizieren die Streicher des Orchesters "Miagi"
Das Young Euro Classic Festival lädt vom 26. Juli bis zum 12. August 2012 zum dreizehnten Mal die jungen Wilden der Orchesterszene in das Konzerthaus Berlin am Gendarmenmarkt. Um die Organisation der 17 Tage dauernden Veranstaltung kümmert sich ein kleines Team von nur zehn fest angestellten und einigen freien Mitarbeitern.

Auf den letzten Metern muss es passiert sein: Als das Cello eines jungen kolumbianischen Musikers vom Kofferband des Ankunftsterminals gehoben wird, ist es bereits kaputt. Das passierte einen Tag vor dem Konzert. „Aber da hatten wir ja noch 24 Stunden Zeit, um Ersatz zu organisieren“, erinnert sich Johanna von Kuczkowski, Orchestermanagerin bei Young Euro Classic. Solche kurzzeitigen Momente der Panik gibt es bei der Realisierung des weltweit größten Jugendorchester-Festivals immer wieder. „Wir haben ein gut aufgestelltes Team, das im Notfall sofort losrast“, erläutert Projektleiterin Maya Nowbary. „Ob zum Geigenbauer, ins Krankenhaus oder wegen der kaputten Brille zum Optiker.“

Zum „Young Euro Classic“-Festival kommen junge Menschen aus Russland, Frankreich, Kanada, China, Bulgarien, Singapur, Südafrika und anderen Ländern zusammen. Das Team um Gabriele Minz kümmert sich innerhalb von 17 Tagen um rund 1220 junge Musiker, die an mehr als 30 Konzerten mitwirken. Diesen Kraftakt vollbringen zehn feste Mitarbeiter und einige, wenige freie Kräfte.

Eine gut geölte Maschine

„Übers Jahr bewerben sich etwa 30 bis 40 Orchester bei uns, die verschiedene Kriterien erfüllen müssen“, erzählt Mona Hornung, Kommunikations-Managerin des Festivals. Die Orchester sollen bei „Young Euro Classic“ möglichst das Werk eines nationalen Komponisten interpretieren, eine Uraufführung oder deutsche Erstaufführung zeigen, sowie ein großes symphonisches Werk des 19. oder 20. Jahrhunderts bearbeiten. Dieter Rexroth kümmert sich als künstlerischer Leiter um die Auswahl der Bewerber. Aus deren Programmen erarbeitet er dann ein Konzept für das kommende Festival.

Die Planung schreitet früh voran: „Wir denken jetzt schon an 2014“, sagt Hornung, „direkt nach dem aktuellen Festival wird das Programm für 2013 schon relativ konkret sein, und zu Weihnachten sind alle Zusagen da und die Abende stehen.“ Danach haben die Organisatoren sechs Monate Zeit für konkrete Details. Es gibt viel zu tun, doch Nowbary kann sich auf das gute Netzwerk aus Dienstleistern und Kooperationspartnern verlassen, das sich das Festival inzwischen aufgebaut hat: „Dadurch sitzen wir hier nicht mit Augenringen da.“

Auf die Details kommt es an

Das Festival hat ein gutes Datum für die jungen Musiker gewählt. Die Schul- und Semesterferien bieten meist genügend freie Zeit für die Teilnehmer im Alter zwischen 16 und 30 Jahren. Auch Proben sind kaum nötig. Die Orchester touren zumeist bereits seit einiger Zeit und verweilen durchschnittlich nur zweieinhalb Tage in Berlin. Die Hotels, die die Ensembles aufnehmen, werden vor der Buchung immer unter die Lupe genommen. Nur Bratkartoffeln und Schnitzel werden nicht als abwechslungsreiche Ernährung hingenommen. „Wir wurden vorher gefragt, ob wir Vegetarier sind oder was wir aus religiösen Gründen nicht essen dürfen“, lobt der türkischstämmige Geiger Önder Baloglu (24) vom Ensemble Turquoise, welches dieses Jahr ebenfalls beim Festival auftreten wird. „Das sind Sachen, durch die ein Konzertabend kippen kann“, erklärt Maya Nowbary. „Chinesen rasten aus, wenn sie morgens Brötchen essen müssen – in China isst man auch zum Frühstück und Abendbrot immer warm, zum Beispiel Reis oder Suppe.“ Zudem ist es natürlich praktischer, ein Hotel möglichst nah am Konzerthaus am Gendarmenmarkt zu buchen, um lange Wege auszuschließen. „Orchester können schon wie ein Sack Flöhe sein“, sagt Nowbary.

Jede der Veranstaltungen ist eine alljährliche Herausforderung in Sachen Finanzierung. Nicht nur die Sponsoren unterstützen das Projekt. Auch Sachspenden von Hotels dienen der reibungslosen Fortführung des Betriebs. Der Bund stellt 150.000 Euro bereit, die aus dem Fördertopf der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin kommen. Rund 300.000 Euro kommen aus dem Erlös der Ticketeinnahmen – „ungewöhnlich viel für Klassikkonzerte“, meint Nowbary. Vor allem, wenn man bedenkt, dass der Preis pro Person nur 16 Euro beträgt.

Seit dem Krisenjahr 2009 ist das Crowd- oder Fan-Funding populär und wichtig für das Festival geworden. Dadurch kamen im vergangenen Jahr 30.000 Euro zusammen. Ohne diese privaten Spenden wären speziellere Projekte wie das diesjährige „African Jazz“-Treffen zwischen deutschen und südafrikanischen Musikern nur bedingt möglich. „Uns ist kein Spendenbetrag zu gering“, betont Mona Hornung, „selbst für fünf Euro kann man Noten kaufen!“ 

Mehr zu neuer Musik gibt es heir:

Konzerthaus Berlin, Gendarmenmarkt 2, 10117 Berlin

Konzerthaus Berlin

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