• Montag, 04. Juni 2012

Restaurant im Grunewaldturm

Typisch berlinerisch und doch exotisch

  • Restaurnat Grunewaldturm
    Im Restaurant Grunewaldturm kann man nicht nur hervorragend essen, von hier aus hat man auch einen herrlichen Blick über die Havellandschaft.  Foto: Der Tagesspiegel

Wer einmal im schönen Grunewald unterwegs ist, sollte einen Zwischenstopp im Restaurant im Grunewaldturm einplanen. In dem Restaurant wird traditionell und sehr ambitioniert gekocht.

36 Meter ragt der Grunewaldturm auf dem Karlsberg in den Himmel hinein. Imposant wirkt die rote Backsteingotik vor den grauen Wolken. An der hinteren Seite des Turms befindet sich ein Restaurant, das mit seinem zeltartigen Glasdach und dem modernen Tresen einen aparten Gegensatz zur Backsteinarchitektur des restlichen Gebäudes bildet. Von den Fensterplätzen kann man den wunderbaren Blick über die Havellandschaft bis zum Fernsehturm auf dem Schäferberg hinweg genießen. 

Die Einrichtung ist schlicht gehalten. Geschmackvoll sind weiße Zellstoffläufer auf dunklen Tischen drapiert, auf denen wiederum Windlichter und kleine Blumengestecke arrangiert sind. Einige dunkle Balken unterstreichen den ländlichen Charme des Ausflugs-Restaurants. Im Außenbereich schließt sich an die Terrasse ein Biergarten mit kleiner Bühne an.

Überraschend ambitioniert

Die Karte ist für diese Gegend erstaunlich ambitioniert. Vorweg wurde Topinambur-Trüffelschaumsüppchen mit gebackenen Blutwurst-Wan-Tan gereicht. Bei einem Preis von 5,80 Euro ist davon auszugehen, dass der unverwechselbare Trüffelgeschmack vom Öl herrührt, denn Späne waren keine zu sehen. Bei all der sahnigen Wucht schmeckt die Suppe recht gut, insbesondere die Wan-Tan mit dem weichen Blutwurstkern. Noch besser aber mundete das aufgeschäumte Schwarzwurzelsüppchen mit gebeiztem Wildschinken und Schwarzwurzelchips, ebenfalls für 5,80 Euro.

Die Hauptgänge vertieften den positiven Eindruck, den die Vorspeisen hinterlassen hatten. Das Kurzgebratene vom jungen Wildschweinrücken (18,80 Euro) war schön zart mit einer köstlich scharf gewürzten Kruste. Dazu bissfeste Stücke vom Kohlrabi, die gekonnt mit Kräutern angerichtet waren. Abgerundet wurde das Ganze von pikanten Kartoffelkrapfen und einer mit weißem Schaum aufgepeppten, dunklen Bratensauce. Lecker!

Nach Altberliner Vorbild

Das Kabeljaufilet (16,80 Euro) war überraschend saftig und exakt auf den Punkt gegart. Auch hier wurde kräftig gewürzt - ein schöner Kontrast zum Safranschaum unter lockerem Perlgraupen-Risotto. Als Beilage gab es Schalottenspinat aus gekochten Blättern. Die Weinkarte macht einen ordentlichen Eindruck und ist preislich volkstümlich sortiert. Wir probierten die Empfehlung der Saison, einen 2009er Regent aus Deidesheim in der Pfalz. Leicht, samtiges Aroma zu einem Flaschenpreis von 18,50 Euro.

Der Nachtisch bestand aus Süppchen von Berliner Weiße mit Johannisbeer-Sorbet und frischer Minze - eine fröhliche Art, Süßes nach altberlinerischem Vorbild zu genießen. Die Konsistenz der Suppe harmonierte wunderbar mit dem Sorbet und den pudergezuckerten Minzblättern. Abgerundet wurde das Dessert mit frischen Johannisbeeren und Erdbeeren.

Jung schließt professionell nicht aus

Im Gegensatz zu vielen Szenelokalen machte das junge Serviceteam einen professionell ausgebildeten und sehr netten Eindruck. Allerdings waren wir am Ende unseres Essens gegen 19.30 Uhr an einem kühlen Abend auch fast die einzigen Gäste. Vielleicht lag es daran, dass um diese Zeit die letzten Busse zu den S-Bahnhöfen Wannsee und Heerstraße fahren. Spaziergänger mit Besuch von außerhalb können hier einen typischen und gleichzeitig etwas exotischen Ort finden, der sogar eine Frühstückskarte bietet.

Restaurant im Grunewaldturm

Havelchaussee 61
14193 Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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