Ziegenhof Danckelmannstraße

Kiez-Oase feiert 30-jähriges Bestehen

Kiez-Oase feiert 30-jähriges Bestehen
Auf dem 6000 Quadratmetern großen Ziegenhof gibt es viel Platz zum Spielen und Toben ...
Der Ziegenhof in der Charlottenburger Danckelmannstraße ist ein weitläufiges Stadtparadies für Klein und Groß. Viele Tiere und noch mehr Kinder tummeln sich auf dem gemeinnützig bewirtschafteten Gelände. Trotz der Steine, die dem Projekt immer wieder in den Weg gelegt werden, kann die zuständige Initiative "Block 128" am 15. September den 30. Geburtstag des Ziegenhofes feiern. Alle Nachbarn, Freunde und Unterstützer sind zu dem Kiez-Fest eingeladen.

Wer den Weg in den Hinterhof der Danckelmannstraße 16 gefunden hat, könnte meinen, er befände sich in einer ungetrübten Familienidylle. Hier können Kinder noch unbeaufsichtigt herumtoben und sich auf dem 6000 Quadratmeter großen Areal verstecken. Bienen schwirren zwischen blühenden Bäumen und Kräuterbeeten umher und das freundliche Meckern einer Ziege ertönt. „Ganz verschiedene Menschen aus dem Kiez, aber auch dem gesamten Stadtgebiet kommen in unserem Hinterhof zusammen, um die ungezwungene und freundliche Atmosphäre zu genießen“, berichtet denn auch Elke Betzner, eine schon lange aktive Mitstreiterin der Blockinitiative 128.

Seit dem Beginn der 80er Jahre setzt sich der Verein für das Gelände des ehemaligen Wohnblocks 128 ein. Damals wurde nach Protesten der Anwohner ein Neubauprojekt gestoppt. Das durch den bereits erfolgten Abriss der alten Gebäude frei gewordene Gelände entwickelte sich durch das Engagement der Nachbarschaft zu einem alternativen Kiezprojekt. „Zunächst eroberten die Kinder das Gelände“, berichtet Betzner. Danach seien bald Ziegen, allerlei Federvieh und verschiedene Pflanzungen hinzugekommen. Seit diesen Tagen sorgt die rein ehrenamtliche Arbeit der Gemeinschaft um die Blockinitiative für den familienfreundlichen und aufgeschlossenen Charakter des heute als öffentliche Grünfläche anerkannten Geländes.

Bürgerschaftliches Engagement

„Jeder, der Interesse und etwas Zeit hat, kann sich bei uns engagieren“, erzählt auch Katja Laudel. Sie beteiligt sich seit knapp zwei Jahren an der Arbeit im Ziegenhof. Egal, ob man bei der Versorgung der Tiere helfen oder ein eigenes kleines Projekt verwirklichen möchte, im Ziegenhof ist jeder willkommen. Auf diese Weise sind auch schon ein Hochbeet und verschiedene Lerngärten für die anliegenden Kitas entstanden. Viele Gruppen aus Kindergärten und Kindertagesstätten besuchen vormittags den Ziegenhof in der Danckelmannstraße.

Auch sonst herrscht viel Trubel auf dem großen Areal. „Ein Imker betreut seit einiger Zeit zwei Bienenvölker und nach der Weihnachtszeit bringen viele Anwohner ihre ausrangierten Tannenbäumchen zu uns – ein Festschmaus für die Ziegen“, erzählt Elke Betzner. Ohnehin seien die Unterstützung und der Einsatz der Nachbarschaft enorm. „Vor allem die Arbeit an unserem neuen Ziegenhaus hat die Blockinitiative im Jahr 2010 noch einmal fest zusammengeschweißt.“ In Gemeinschaftsarbeit wurde damals von der Aushebung des Fundaments bis zum Hochziehen der Mauern ein ganzer Ziegenstall in Handarbeit geschaffen.

Auch diese Arbeit beruht, wie alles im Ziegenhof, auf ehrenamtlichem Einsatz. „Durch bezahlte Kräfte würde der Zusammenhalt unseres Projektes zerbrechen“, ist Betzner überzeugt. Nur durch das gemeinsame und unentgeltliche Interesse aller Beteiligten bewahre sich der Hinterhof seinen speziellen Reiz. „Hier ist niemand der Chef und es wird kein kommerzieller Gewinn erwirtschaftet“, betont auch Laudel.

Bilder vom Ziegenhof

Vor allem, um das große Areal vom Müll zu befreien und die Rasenflächen zu pflegen, ist die Hilfe von Anwohnern und Unterstützern des Projektes dringend notwendig. „Besonders in den Sommermonaten kann es auf dem Hof eng werden“, erzählt Laudel. Die Grünflächen auf dem Hof gerieten dann an ihre Belastungsgrenzen und auch der Abfall sei nur noch schwer im Griff zu behalten. „Gerade die Plastiktüten können zu einer tödlichen Gefahr für unsere Ziegen werden“, berichtet Elke Betzner.

Doch nicht nur das Müllproblem belastet den Charlottenburger Ziegenhof. Da das Projekt in keine Schublade passe, würden seit einigen Jahren verstärkt Verständnis und Unterstützung des Bezirksamtes wegbrechen. „Die Tendenz lautet ‚Sparen!‘ – da bleibt besonders für den Ziegenhof kein Geld mehr übrig“, so Betzner. Dabei war die finanzielle Zuwendung des Bezirks ohnehin rein symbolischer Natur. Bis vor zwei Jahren wurden jährlich 1000 Euro an den Verein der Blockinitiative überwiesen –  nun fehlt auch dieser Betrag.

Aufruf zu mehr Einsatz im Kiez

Doch noch schlimmer sei, so die beiden Mitglieder der Blockinitiative, der immer dringlichere Wunsch der Ämter, aus dem gemeinnützigen Projekt Geld herauszupressen. So bedauert Betzner: „Wir sollen der kommerziellen Nutzung bestimmter Flächen offen gegenüberstehen. Was wir in den vergangenen 30 Jahren erreicht haben, wird damit immer weiter ausgehöhlt.“

Besonders schwer hätte es der Ziegenhof auch, weil das Projekt im Stadtgebiet nahezu einzigartig sei. „Auf unseren Schultern lastet ein enormer Druck“, betonen die ehrenamtlichen Helferinnen. Zwar wolle man sich auch weiterhin für die gemeinnützige und nicht wirtschaftlich orientierte Nutzung des Ziegenhofes einsetzen, doch eine große Hilfe wäre es auch, wenn das Projekt Schule machen würde. „Wir rufen alle engagierten Berliner Bürgerinnen und Bürger dazu auf, sich für ihren Kiez einzusetzen“, so Elke Betzner. „Egal, ob man seinen Hinterhof bepflanzt oder den Kindern einen Raum zum Spielen öffnet – die Freiflächen und Innenhöfe in Berlin sollten den Bürgern dienen, nicht dem Kommerz!“

Am 15. September wird der Ziegenhof in der Danckelmannstraße sein 30-jähriges Bestehen feiern. Die Besucher können sich in einer Ausstellung und bei Führungen über den Werdegang des Projektes und die kleinen Besucher sind zum Backen am Lehmofen eingeladen. Bereits am 14. September wird die Geburtstagsfeier mit einer Filmvorführung beginnen. Weitere Infos unter www.ziegenhof-berlin.de

Ziegenhof, Danckelmannstraße 16, 14059 Berlin

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