Stadtentwicklung am Checkpoint Charlie

Stiefkind Grenzposten

Stiefkind Grenzposten
Am Checkpoint Charlie soll unter anderem ein neues Museum zum Kalten Krieg gebaut werden.
Eine Zwangsversteigerung bedroht die Pläne für ein Museum des Kalten Krieges an der Friedrichstraße. Dem Checkpoint Charlie fehlt damit noch immer ein innovatives Bebauungskonzept.

Ein trister Anblick an der Friedrichstraße: Eine Brache mit einem verschlossenen, schwarzen Gebäudekomplex, gegenüber verschiedene im Bau befindliche Imbissbuden. Der Checkpoint Charlie kann auch mehr als zwei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung nicht mit einem geschichtsträchtigen Anblick aufwarten. Zwar soll die „Black Box“ in diesem Sommer mit einer Ausstellung über den Kalten Krieg informieren, doch die langfristige Nutzung des Geländes am ehemaligen Grenzposten ist ungewiss. Die Pläne für einen dauerhaften Museumsbau stehen auf der Kippe, denn am 10. Mai werden die Brache mit der „Black Box“ und das benachbarte Gelände zwangsversteigert.

Auch für den Senat kommt die Versteigerung unerwartet. Man hatte sich mit der irischen „Cannon Kirk-Investmentgroup“ eigentlich über eine langfristige Nutzung der beiden Gelände an der Friedrichstraße 47 und 205 geeinigt. Die Immobiliengruppe hatte die Grundstücke in den 90er Jahren von der „CEDC-Group“ übernommen. Trotz weiterhin unklarer Besitzverhältnisse und einer Zwangsverwaltung der Areale hatte sich die Senatsverwaltung mit Cannon Kirk über ein Nutzungskonzept verständigt. Auf dem Gelände der Friedrichstraße 47 wurde ein „Museum des Kalten Krieges“ geplant, das Areal an der Nummer 205 sollte einen Wohnungs- und Bürokomplex beherbergen. Bis zum Baubeginn 2015 wollten Pächter mit Fast-Food- und Souvenir-Buden für das Wohl der zahlreichen Touristen sorgen. Dieser von Senat und Cannon Kirk-Gruppe konzipierte „Freedom-Park“ öffnete am Ostersonntag seine Türen.

Ungewisse Zukunft

Doch als am vergangenen Freitag die Zwangsversteigerung der beiden Areale an der Friedrichstraße durch das Amtsgericht Mitte verkündet wurde, war die Irritation in der Kulturverwaltung groß. Der Versteigerungstermin bedeute nicht unbedingt den Rückzug der Cannon Kirk-Immobiliengruppe, so Thorsten Wöhlert, Sprecher der Kulturverwaltung. Eventuell könnte die irische Unternehmensgruppe durch die Versteigerung versuchen, das Gelände von Altschulden zu befreien. Insider mutmaßen hingegen, das Finanzamt würde aktiv, weil die Iren anfallende Steuern nicht bezahlt hätten.

Weder der Zwangsverwalter, noch die irische Immobiliengruppe waren am Freitag erreichbar. Die zuständige Finanzbehörde wollte sich aus Gründen der „Geheimhaltungspflicht“ nicht äußern. Wäre Cannon Kirk tatsächlich von finanziellen Schwierigkeiten bedroht, so müsste der Senat mit einem neuen Besitzer über die Zukunft der Gelände an der Friedrichstraße verhandeln. Vom Bezirk kann der neue Investor dabei nicht zu einem Museumsneubau verpflichtet werden. „Der Bezirk hat keine Chancen. Wir sind zwar baurechtlich zuständig, können aber nur die Bebauungshöhe und -dichte bestimmen.“, so Baustadtrat Carsten Spallek (CDU).

Museumsbau als Ziel

Die Kulturverwaltung rechnet sich aufgrund einer Klausel im 1992 mit der CEDC geschlossenen Vertrag Chancen aus. Darin verpflichtete sich die Immobiliengruppe, auf dem vom Land Berlin übernommenen Gelände Museumsräume einzurichten. Sprecher Torsten Wöhlert zufolge sei diese Vereinbarung „wohl bis heute gültig – trotz der inzwischen verworrenen Besitzverhältnisse“. Darüber hinaus müsse ein Museum immer auch als finanzstarker Mieter betrachtet werden : „Es wird uns nicht allzu schwerfallen, auch neue Bauherren zu überzeugen.“

Kurz nach der Wiedervereinigung gehörte der Checkpoint Charlie zu den spektakulärsten Bauvorhaben der Hauptstadt. Großinvestor Lauder, Ex-US-Senator Palmer und Unternehmer Rosenthal wollten auf fünf Arealen eine zusammenhängendes „American Business Center“ entstehen lassen. Auch die Gelände der Friedrichstraße 47 und 205 wurden vom Projekt eingeschlossen. Doch von den geplanten Gebäuden entstanden nur drei, darunter das Haus des berühmten Architekten Phillip Johnson. Wenig später erhöhten die Banken den Druck auf das Bauvorhaben. 1998 wurde das geplante Großprojekt mit einem Vergleich und einer über 10 Millionen Euro hohen Schuldenlast zu den Akten gelegt.


Quelle: Der Tagesspiegel

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