Entwürfe für Zentrale Landesbibliothek

Großes Schiff gegen gläserne Kiste

Diesen Entwurf von Miebach Oberholzer Architekten würdigte die Jury für seine Industriearchitektur, die die Stimmung des Flughafenhangars aufnimmt und viele Möglichkeiten für die kreative Inbesitznahme durch die Nutzer bietet.
Diesen Entwurf von Miebach Oberholzer Architekten würdigte die Jury für seine Industriearchitektur, die die Stimmung des Flughafenhangars aufnimmt und viele Möglichkeiten für die kreative Inbesitznahme durch die Nutzer bietet.
Der Wettbewerb zum Bau der Zentralen Landesbibliothek ist entschieden. Zwei Entwürfe sind übrig – ob einer davon je gebaut wird, ist nach wie vor unklar.

260 Meter lang schiebt sich der Betonriegel über das frühere Rollfeld des stillgelegten Airports. Senatsbaudirektorin Regula Lüscher nennt es „das große Schiff“, denn der Entwurf von Kohlmayer Oberst kommt mit wenigen, im Mittelteil des Gebäudes gelegenen Stützen aus, die sich wie der Kiel eines gestrandeten Bootes in den Boden rammen. Man könnte in dem Riegel aber auch den Pier eines Flughafens sehen. Auf starke Bilder sind die Stuttgarter Architekten jedenfalls aus. Und nicht zu verhehlen sind auch die Vorbilder aus der Nachkriegsmoderne der 1960er und 1970er Jahre – da waren Riegel mit wenigen, möglichst verborgenen Stützen schon einmal beliebt.

Der Liebling der Bibliotheken-Manager dürfte aber der zweite Sieger sein, die „gläserne Kiste“, wie das jungen Zürcher Architektenduo Miebach Oberholzer mit Sinn für Selbstironie sagt. Dem „Kristall“, wie Lüscher den Entwurf für das neun Geschosse hohe Gebäude nennt, haftet nichts Spektakuläres an – ausgeklügelt ist aber dessen Konstruktion: Die Geschosse sind an zehn „Betonkernen“ aufgehängt, die versetzt zueinander im Inneren stehen und Aufzüge, Treppenhäuser und alles sonst Notwendige aber nicht Vorzeigbare eines Gebäudes enthalten. Dadurch sind die Räume sonst frei von Stützen, rundum verglast, und das erlaubt mühelos jede erdenkliche Aufteilung der 51.000 Quadratmeter Nutzfläche.

Grundsteinlegung für 2015 geplant

Zu einem Hohelied auf einen der Entwürfe lässt sich Kulturstaatssekretär André Schmitz nicht hinreißen. Er nennt aber den ZLB-Neubau einen „lang gehegten kulturpolitischen Traum“, der auf einen Beschluss des „Berliner Magistrats“ zurückgeht, den Schmitz sehr genau auf den 25. Juni 1914 datiert. Ein zweites Mal fallen im vergangenen Jahrhundert die ZLB-Pläne einer Zeitenwende zum Opfer, nicht einem Weltkrieg dieses Mal, sondern dem Ende der Nachkriegszeit: Als die Mauer fällt, fallen auch die ZLB-Pläne des von Eberhard Diepgen (CDU) geführten Senats West-Berlins der Vergessenheit anheim.

Nun also setzt dessen Nachfolger Klaus Wowereit (SPD) alles in die Realisierung des erst einmal auf 270 Millionen Euro taxierten Bauvorhabens, wobei der Stuttgarter Entwurf bereits diesen Rahmen sprengt. In der mittelfristigen Finanzplanung des Landes ist der ZLB-Neubau fest verankert und Lüscher wie auch Schmitz betonen, dass noch in dieser Legislaturperiode Tatsachen geschaffen werden, indem der Grundstein im Jahr 2015 gelegt wird. Welcher der beiden Sieger gebaut wird, soll nach deren Überarbeitung bis zum Frühling entschieden sein. Und der Volksentscheid gegen Neubauten auf dem Tempelhofer Feld? Wird gewürdigt, ein Bebauungsplan werde nicht vor dem Jahr 2015 erstellt, aber planen dürfe man ja wohl, sagt Lüscher. Mit einem Erfolg des Bürgerentscheids rechnet offenbar niemand wirklich.

„Ort für die Menschen“

ZLB-Chef Volker Heller verteilt sein Lob großzügig auf beide Gewinner, wie er es ausdrückt. Wichtig sei es, einen „Ort für die Menschen zu entwickeln – und nicht das größte Papiermuseum Deutschlands“.

Dem Raunen von Kritikern, dass der zweistufige Wettbewerb vielleicht die größtmögliche Zahl von Teilnehmern mit den spektakulärsten Entwürfen verhindert haben könnte, lässt Senatsbaudirektorin Lüscher nicht gelten. Beim ersten offenen Wettbewerb seien aus 55 Entwürfen acht ausgewählt worden und diese hätten in der zweiten Runde mit 32 weiteren von der Verwaltung ausgewählten Büros konkurriert. Der Sieger aus Zürich stamme aus der Riege der jungen Büros, die sich im ersten offenen Durchlauf des Wettbewerbs durchgesetzt haben – ebenso wie etwa die Hälfte der weiteren Preisträger.

Deren Auswahl erfolgte übrigens einstimmig, wie die Jury-Vorsitzende Jórunn Ragnarsdóttir sagte – was bei den vielen im Gremium versammelten „Alphatierchen“ durchaus verwunderlich sei. Nachfragen zur ästhetischen Qualität der Sieger wich auch sie aus. Eine Ausstellung zum Wettbewerb mit allen Beiträgen ist ab dem 5. Februar im Flughafengebäude A1, Columbiadamm 10, zu besichtigen.


Quelle: Der Tagesspiegel

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Blick aufs Tempelhofer Feld.

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