Zwischennutzungsagentur in Berlin

Leben statt Leerstand

Kreativität statt Leerstand: Die Zwischennutzungsagentur sorgt dafür, dass leerstehende Häuser und Wohnungen in Neukölln vermietet werden. So entstehen Galerien und Kreativbüros, wo sonst die Rollläden unten bleiben würden. 

Kreative brauchen Raum, um sich zu entfalten. Hauseigentümer brauchen Mieter. Die Zwischennutzungsagentur führt beide zusammen. Seit 2005 wirkt sie in Berlin-Neukölln, mittlerweile unter dem Dach von COOPOLIS. Die Architektin Stefanie Raab und die Stadt- und Landschaftsplanerin Maria Richarz folgten mit der Gründung der Zwischennutzungsagentur im März 2005 einem Aufruf des Quartiersmanagements Reuter-Kiez: Das Quartier sollte aufgewertet, potenzielle Nutzer von Freiräumen gefunden werden. Denn Leerstand kostet Geld und senkt die Attraktivität eines Kiezes.

Die Freiräume, für die die Agentur potenzielle Nutzer findet, liegen für gewöhnlich im Erdgeschoss: Um die Jahrhundertwende war es üblich, Ladenflächen in den Erdgeschosszonen der Häuser zu errichten. Die lebendige Einzelhandelsstruktur wurde in den siebziger Jahren durch erste Migranten multikulturell bereichert. Dann kamen die großen Einzelhandelsketten, und mit ihnen der Leerstand: Schnell nahm die Zahl der Ladengeschäfte angesichts der mächtigen Konkurrenz ab. Die Ketten übernahmen zwar die Kundschaft, nicht jedoch die Räumlichkeiten der Läden. Denn die Gewerbeflächen in den Altbauten sind für viele nicht geeignet. Das Problem für den Kiez: Eine solche Entwicklung gefährdet die Mieteinnahmen der Hauseigentümer. Aus der Not heraus vermieten sie an den erstbesten Nutzer. Durch Spielhallen und Bordelle beginnt dann der Verfall eines Stadtteils.

Zwischennutzungsagentur wurde 2010 zu COOPOLIS

Das Städtebauförderungsprogramm des Bundes „Soziale Stadt“ fördert die Zwischennutzungsagentur in Berlin-Neukölln. Seit 1999 soll damit die Lebensqualität in benachteiligten Stadtteilen verbessert werden. In Kooperation mit der Zwischennutzungsagentur wurden u. a. Projekte am Richardplatz, im Schillerquartier und im Reuter-Kiez realisiert. Des Weiteren wurde 2009 das KNNK – KreativNetzNeuKölln – ins Leben gerufen. Hiermit soll die junge Kreativbranche in Neukölln gestärkt werden. Das Projekt läuft vorerst bis September 2012.

Leerstand kostet Geld. Daher können Interessierte über die Mieten der Gewerbeeinheiten verhandeln. Dieser Umstand trug sicher zum Erfolg der Zwischennutzungsagentur bei. Nach fünf Jahren war es Zeit für eine Erweiterung: Am 23. März 2010 ging die Agentur in die COOPOLIS über, das Planungsbüro für kooperative Stadtentwicklung. Ihr erklärtes Ziel ist nicht nur das Leerstand-Management, sondern auch, Standorte ganzheitlich und nachhaltig zu entwickeln. Deshalb engagiert sich die Zwischennutzungsagentur/COOPOLIS sozial im Kiez: Regelmäßig bieten sie Infoabende zu relevanten Themen wie der Mietpreiserhöhung an.


Quelle: kompakt

Coopolis - Planungsbüro Raab Richarz, Lenaustraße 12, 12047 Berlin

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