Dyke* March, Pride Ride, Lesbisch-schwules-Stadtfest – und nun gibt es auch einen eigenen Drag* March für Berlin. Das neue Format soll erstmals am 24. Juli 2026 stattfinden. Die Teilnehmer wollen für mehr Sichtbarkeit, Vielfalt, Demokratie und Solidarität demonstrieren. Der Drag* March steht unter dem Motto „Haltung ist hot – Segen statt Hetze“ und wird vom Orden der Schwestern der Perpetuellen Indulgenz und von Travestie für Deutschland mitgetragen. Das Event steht ganz im Zeichen der langjährigen Tradition des New Yorker Drag March. Doch worum geht es dabei eigentlich?
Qiez zu Google hinzufügenWas ist Drag – und woher kommt der Begriff?
Drag Queens sind Personen – meist Männer, prinzipiell kann das aber jeder machen – die eine stark übersteigerte, künstlerische weibliche Rolle einnehmen. Der Begriff kommt unter anderem aus dem Theater-Slang und bedeutet so viel wie „Dressed as a girl“, also „Angezogen wie eine Frau“. Drag ist primär Performance-Kunst und dient der Unterhaltung und dem kreativen Ausdruck auf der Bühne – nicht immer ist die Performance auch mit der Geschlechtsidentität im Alltag verbunden, häufiger nehmen die Performer schlichtweg eine Rolle ein.
Drag Queens nutzen für ihre Auftritte Make-up, Perücken und spektakuläre Outfits, um in ihre Rolle – auch Drag-Persona genannt – zu schlüpfen. In Drag-Shows sind meist Mischungen aus
- Lip-Syncing (synchrone Lippenbewegungen zu bekannten Songs)
- Comedy und Moderation
- Tanz und Akrobatik
- Fashion
zu sehen. Die moderne Drag-Kultur, wie wir sie heute kennen, ist tief in der LGBTQ-Community verwurzelt. Historisch gesehen spielten Drag-Queens oft eine wichtige Rolle beim Kampf für die Rechte von queeren Menschen, so auch bei den Stonewall-Aufständen 1969 in New York. Eine der bekanntesten Akteurinnen der Aufstände war die schwarze Drag-Queen und trans Frau Marsha P. Johnson. Heute ist Drag unter anderem durch TV-Shows wie RuPaul’s Drag Race im weltweiten Mainstream angekommen – und wird endlich auch in Berlin mit einem eigenen Drag* March gefeiert.
Ein bunter Aufmarsch für die Demokratie
Mit seinem ersten Drag* March setzt Berlin ein historisches und unübersehbares Zeichen für Vielfalt, Kunst und politischen Protest. Dabei ist die Demonstration mehr als nur eine bunte Modenschau auf offener Straße: In Zeiten, in denen queere Menschen, trans Personen und insbesondere Drag-Künstler*innen im In- und Ausland zunehmend zur Zielscheibe von rechtspopulistischen Hetzkampagnen und gesellschaftlicher Polarisierung werden, verstehen die Veranstalter die Demonstration als lautstarkes und unübersehbares Statement für die Demokratie.
Mit dem kraftvollen Motto „Haltung ist Hot – Segen statt Hetze!“ soll verdeutlicht werden, dass Drag eine jahrzehntealte Kulturform, ein schützenswertes Kunstgut und ein elementarer Bestandteil queeren Lebens ist. Freiheit, Vielfalt und Demokratie gehören untrennbar zusammen – das ist die Botschaft, die die Veranstalter*innen auf die Straße tragen.
Die Route: In High Heels zum Brandenburger Tor
Damit die Demonstration für jede*n barrierearm und auch in spektakulären Plateauschuhen oder High Heels gut zu bewältigen ist, wurde die Strecke mit rund einem Kilometer bewusst kurz gehalten:
- Start: Freitag, 24. Juli 2026 ab 17:00 Uhr am Platz der Republik (U-Bahnhof Bundestag),
- Verlauf: Die Route führt über die Scheidemannstraße, die Yitzhak-Rabin-Straße und die Straße des 17. Juni,
- Ziel: Das geschichtsträchtige Brandenburger Tor (Ankunft gegen 17:45 Uhr).
Alle Teilnehmenden und Unterstützer*innen sind ausdrücklich dazu eingeladen, in ihrer prachtvollsten Drag-Persona zu erscheinen oder sich solidarisch anzuschließen. Der March versteht sich als absolut inklusives und offenes Angebot für die gesamte Community.
Der Auftakt zum großen CSD-Wochenende
Am Brandenburger Tor angekommen, ist das Programm noch lange nicht vorbei: Der Drag* March geht um 18:00 Uhr nahtlos in den großen Demokratieabend des Berliner CSD über. Auf der Hauptbühne an der Straße des 17. Juni/Ebertstraße erwartet die Besuchenden eine politische Kundgebung, kombiniert mit hochkarätigen Live-Acts, musikalischen Performances und Redebeiträgen.
Damit bildet der Freitag den idealen, politisch aufgeladenen Auftakt für das größte CSD-Wochenende der Berliner Geschichte, bevor am darauffolgenden Samstag (25. Juli) die riesige, traditionelle CSD-Parade durch die Stadt zieht. Berlin beweist einmal mehr: Queerer Protest ist laut, schillernd und lässt sich nicht zurückdrängen.






