Am heutigen Mittwochnachmittag springen Aktivisten am Schinkelplatz in Berlin-Mitte in den Spreekanal – trotz Verbot. Der Verein Fluss Bad Berlin ruft unter dem Motto „101 Jahre Badeverbot abwählen!“ zur ersten Mitschwimm-Demo des Jahres auf.
Qiez zu Google hinzufügenDas Datum ist bewusst gewählt: Exakt am 20. Mai 1925 trat das Schwimmverbot in der innerstädtischen Spree in Kraft. Damals machten die zunehmende Verschmutzung des Flusses und damit einhergehende Gesundheitsrisiken den Schritt notwendig. Über ein Jahrhundert später gilt die Regelung unverändert – obwohl sich die Bedingungen nach Ansicht der Aktivisten grundlegend gewandelt haben. Die Umweltverwaltung sieht das anders und hält am Verbot fest. Eine Änderung lehnt sie weiterhin ab.
Senat: Wer schwimmt, handelt rechtswidrig
Die Senatsverwaltung für Umwelt reagiert in einer Pressemitteilung mit einer deutlichen Warnung auf die geplante Aktion: „Wer im Rahmen dieser Veranstaltungen in den Spreekanal steigt, handelt daher rechtswidrig und auf eigenes Risiko“, stellt die Behörde klar. Aus Sicht des Senats sprechen weiterhin sowohl hygienische als auch sicherheitsrelevante Gründe für das Verbot.
Nach Auswertung der Messdaten des Landesamts für Gesundheit und Soziales (Lageso) bestehe eine starke mikrobielle Grundbelastung, die sich durch ungeklärtes Abwasser aus der Mischwasserkanalisation insbesondere nach Starkregen erheblich verschärfe. Wiederholt seien die Grenzwerte für E. coli und intestinale Enterokokken teils extrem überschritten worden. Zudem sieht das Amt ein erhöhtes Erkrankungsrisiko durch Noroviren sowie mögliche Gesundheitsgefahren durch Blaualgen. Da konkrete Maßnahmen zur dauerhaften Verbesserung der Wasserqualität fehlten und wichtige Datenlücken weiterhin bestünden, könne eine Ausweisung als offizielles Badegewässer derzeit nicht befürwortet werden.
Verein hält dagegen: Wasser ist sauber genug
Der Verein Fluss Bad Berlin widerspricht den behördlichen Bedenken vehement. „Die Wasserqualität ist in der Saison in über 80 Prozent der Zeit nachweislich ausreichend gut, um das sichere Baden zu ermöglichen“, argumentiert Vereinsvorstand Jan Edler. Seit 2023 betreibe man ein eigenes Monitoringsystem, das gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum Wasser Berlin entwickelt wurde.
Die aktuellen Messwerte lassen sich per Smartphone oder Laptop abrufen. Zudem kooperiert der Verein mit den Berliner Wasserbetrieben und erhält automatische Warnungen, sobald die Mischwasserkanalisation überläuft. Am „Fluss Bad Garten“ an der Friedrichsgracht signalisiert eine Fahne täglich die Wasserqualität: Grün bedeutet unbedenklich, Gelb grenzwertig, Rot warnt vor dem Baden. „Bislang hat die Senatsverwaltung nicht auf unsere Forderungen reagiert“, kritisiert Edler.
Jeden Monat Protest bis zur Wahl
Bis zur Abgeordnetenhauswahl am 20. September plant der Verein insgesamt fünf Mitschwimm-Demonstrationen – jeweils am 20. des Monats. „Am 20. ist Badetag“ lautet das durchgängige Motto der Aktionsserie, mit der die Aktivisten im Wahlkampf Druck auf die Parteien ausüben wollen.
Die politischen Chancen für eine Änderung könnten nach der Wahl steigen: Sowohl SPD als auch Linke und Grüne haben sich laut „Taz“ in ihren Wahlprogrammen für das Flussbaden ausgesprochen. Der Verein hofft, dass ein neuer Senat das pauschale Verbot beenden könnte.






