Naturschutzgebiet in Westend

43 Hektar Einsamkeit

43 Hektar Einsamkeit
Idylle pur gleich hinterm Olympiastadion. Zur Foto-Galerie
Ruhleben - Zehn Jahre und umfangreiche Renaturierungarbeiten haben ein ehemaliges militärisches Übungsgelände in ein einzigartiges Naturschutzgebiet verwandelt. Wir sind hinterm Olympiastadion durch Murellenschlucht und Schanzenwald spaziert - und haben Berlin dabei weit hinter uns gelassen.

Man ist immer wieder überrascht, wie schnell Berlin einem manchmal den Rücken zukehrt. Eben noch sind wir auf der lauten und vielbefahrenen Heerstraße Richtung Olympiastadion gerollt und haben das belebte Sportzentrum an der Glockenturmstraße passiert – und plötzlich stehen wir mitten in einer urigen Waldeinsamkeit. Gemeint ist das Naturschutzgebiet Murellenschlucht und Schanzenwald, das sich auf einer Fläche von 43 Hektar zwischen Waldbühne und Friedhof Ruhleben immer östlich der S-Bahngleise erstreckt. Wer möchte, kann entlang des grünen Bandes von der Heerstraße bis fast zum Ikea-Einrichtungshaus Spandau spazieren. Und dabei gleichzeitig eine Wanderung durch die Berliner Geschichte machen.

Diese Wälle haben eine dunkle Geschichte.

Schließlich befindet man sich im Naturschutzgebiet auf einstigem militärischen Übungsgelände, das erst 2004 großflächig für Renaturierungsarbeiten freigegeben werden konnte. Vor allem im Schanzenwald lassen sich bis heute längs der großen Offenflächen die ehemaligen Wälle, Gräben und Schießplätze erkennen – ein einzigartiges Biotop für viele Tier- und Pflanzenarten. Der sogenannte „Spiegelweg“ macht auf ein besonders düsteres Kapitel der deutschen Vergangenheit aufmerksam: Zwischen dem 12. August 1944 und dem 14. April 1945 wurden im Schanzenwald mindestens 232 Personen wegen Fahnenflucht bzw. Wehrkraftzersetzung hingerichtet.

Infotafeln vermitteln Wissenswertes über das Gebiet ...

... etwa über die vielen verschiedenen Pflanzen, die hier wachsen.

Murellenschlucht und -berg, ein Vermächtnis der eiszeitlichen Gletscher, ermöglichen mit ihrem lichten Eichenwald einen Eindruck von der ursprünglichen Vegetation des Grunewalds. Die in den 30er Jahren errichtete Waldbühne nutzt die Hangneigung der Schlucht für die Zuschauerränge. Andere Teile des Areals wurden Ende der 40er Jahre dagegen mit Trümmerschutt zugekippt. Trotzdem geht es in dem Naturschutzgebiet, in dem nun alle Renaturierungs- und Erschließungsarbeiten abgeschlossen sind, noch immer ziemlich hügelig zu. Höhenunterschiede von bis zu 30 Metern müssen auf einem Spaziergang überwunden werden. Zum Glück gibt es ein gutes Wegenetz und zahlreiche Infotafeln laden zu einer Pause ein.

„Ich freue mich, dass die Maßnahmen, die der Bezirk über viele Jahre verfolgte, abgeschlossen werden konnten“, bekräftigt Bezirksstadtrat Marc Schulte. „Ich würde mich freuen, wenn viele Besucherinnen und Besucher das neue Informationsangebot nutzen und sich davon für einen interessanten Spaziergang, eine längere Wanderung oder eine Fahrradtour inspirieren lassen. Für viele wird die Topografie überraschend sein. Es konnten im Nordrand des Grunewaldes große Freiräume geschaffen werden, die das Wirken der Eiszeit im Berliner Raum zeigen. Teilweise hat die Landschaft mittelgebirgsähnliche Züge.“

Wer mehr über das Naturschutzgebiet erfahren möchte, schaut sich am besten diesen Infoflyer an.

Es geht bergauf und bergab rund um die Murellenschlucht.

Foto Galerie

Waldbühne, Glockenturmstr. 1, 14053 Berlin

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