Wohnen in Spandau

Skandinavien in Kladow?

Skandinavien in Kladow?
Klein und aufgereiht: Häuser in der Finnenhaus-Siedlung in Kladow Zur Foto-Galerie
Am Stadtrand von Berlin läuft man durch Lönnrot- und Runebergweg und fragt sich, warum einem plötzlich alles skandinavisch vorkommt. Die Geschichte dieser Wohnsiedlung im grünen Kladow ist tatsächlich eine finnisch-amerikanische.

Rentiere und Moltebeeren in Spandau? Nein. Finnische  Architektur? Nicht ganz. Die Finnenhaussiedlung ist zwar ein Wohngebiet in Kladow, das von einer finnischen Baufirma errichtet wurde, doch skandinavisch sehen die Häuser nur ansatzweise aus. Das schlichte Nachkriegs-Wohndesign und die reichliche Verwendung von Holz erinnern immerhin an den hohen Norden. 1957-58 errichtete die Gemeinnützige Heimstätten-, Spar- und Bau- Aktionsgesellschaft (GEHAG) 377 Eigenheime für politische Flüchtlinge (vorwiegend aus der DDR) mit Niederlassungsbewilligung und Lastenausgleichsanspruch. Unter Leitung des Architekten Otto Scheibe wurden finnische Holzfertigbauteile der Firma Puutalo Oy aus Helsinki eingesetzt. Das Resultat: eine Siedlung aus quadratischen Reihenhäusern, meist sechs nebeneinander, die besonders durch ihre Symmetrie und Simplizität besticht.

Vom Dreiecksgeschäft zum bleibenden Wohnkonzept

Die Finnenhaussiedlung in Kladow wurde aufgrund der großen Wohnungsnot im Berlin der 1950er Jahre von den USA finanziert. Finnland, bei den USA aus Kriegszeiten verschuldet, bot zum Ausgleich Holz und Holzhäuser für die geplante Siedlung an. Diese beidseitige Hilfeleistung wurde von der BRD und der Westberliner Verwaltung dankend angenommen. Die Straßen benannte man  nach berühmten finnischen Dichtern, Komponisten und Akademikern. Auf einem Spaziergang durch die Siedlung begegnet man den Namen Topelius, Lönnrot, Runeberg, Porthan, Krohn und Sibelius. Das Design-Beispiel machte Schule: in Lübeck und Neumünster wurden später ebenfalls Finnenhäuser errichtet.

Heute wie gestern wird die Anlage nicht nur wegen ihrer Architektur, sondern auch wegen ihres ländlichen Flairs und der Nähe zur Havel geschätzt. Unweigerlich hat ein Generationenwechsel begonnen, es gibt mehr junge Bewohner als vor 20 Jahren, darunter vor allem Familien. Der 1959 gegründete Verein Finnenhaus – Siedlung Berlin-Kladow e.V. vermittelte zunächst in Mietangelegenheiten. Obwohl die Siedlung nicht unter Denkmalschutz steht, agiert der Verein heute im Bereich Kultur- und Geschichtspflege. Er betreibt eine Website, organisierte eine Jubiläumsfahrt nach Berlin-Mitte, erforscht die Historie der Siedlung. Und bemüht sich natürlich um gute Kontakte nach Finnland.

Foto Galerie


Quelle: kompakt

Skandinavien in Kladow?, Runebergweg, 14089 Berlin

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