Die Berlin Art Week 2026 erreicht am Freitag ihren dritten Tag – und zugleich einen ihrer intensivsten. Rund 120 Institutionen, Galerien und Projekträume verwandeln die Hauptstadt seit Mittwoch in einen einzigen großen Kunstparcours. Das Kulturforum dient dabei als Dreh- und Angelpunkt: Im „Berlin Art Week Garten“ vor der Neuen Nationalgalerie und der Gemäldegalerie laufen kostenlose Gespräche, Workshops und Filmvorführungen unter freiem Himmel.
Qiez zu Google hinzufügenZum 15. Jubiläum der Kunstwoche steht der heutige Abend besonders im Fokus. Bei der „Featured Night“ zeigen rund 30 von einer Jury ausgewählte Sonderprojekte ihre Arbeiten bei verlängerten Öffnungszeiten. Gleichzeitig feiert die Performance „Alternde Meister“ von Ersan Mondtag und Nadim Samman in der Gemäldegalerie Premiere – ein Zusammentreffen von Theater und alter Malerei, das zu den meistdiskutierten Programmpunkten dieser Ausgabe zählt. Parallel startet das Soft Power Festival im Haus der Visionäre.
Berliner Ensemble mit „Alternde Meister“
Das mit Spannung erwartete Herzstück des heutigen Abends ist die Premiere von „Alternde Meister“ in der Gemäldegalerie. Theatermacher Ersan Mondtag und Kurator Nadim Samman haben eine Koproduktion zwischen dem Berliner Ensemble und dem Museum entwickelt – es ist das erste Mal, dass das BE die Räume der Gemäldegalerie bespielt.
30 Performerinnen und Performer bewegen sich dabei zwischen den Gemälden alter Meister, tauchen auf, kleiden sich um und verschwinden wieder, als gehörten sie zur Sammlung. Unter ihnen: DJ Westbam und Udo Kittelmann, der ehemalige Direktor der Neuen Nationalgalerie. Als gedanklicher Ausgangspunkt dient Lucas Cranachs d. Ä. „Der Jungbrunnen“ von 1546 – wobei es weniger um Eitelkeit als um Vergänglichkeit und Transformation geht. Wer die Premiere verpasst, hat am Samstag und Sonntag noch Gelegenheit. Tickets starten bei 24,30 Euro und sind online bereits ausverkauft – ein Restkontingent kann aber an der Abendkasse erworben werden.
Soft Power Festival: Kultur als sanfte Macht
Neben der Premiere in der Gemäldegalerie prägt die „Featured Night“ den heutigen Freitagabend. Rund 30 Projekte, die eine Jury eigens für diesen Anlass ausgewählt hat, halten ihre Türen länger offen als üblich – der Fokus liegt dabei auf der unabhängigen Berliner Kunstszene mit ihren Projekträumen und Initiativen.
Ebenfalls heute beginnt das Soft Power Festival im Haus der Visionäre in Kreuzberg, das bis Sonntag läuft. Die aus Teheran stammende Kuratorin Anahita Sadighi hat gemeinsam mit María Inés Plaza Lazo eine Ausstellung mit rund 40 internationalen Positionen aus Gegenwartskunst, Kunsthandwerk, Performance und Kulinarik zusammengestellt. Dazu kommen tägliche Gesprächsrunden – unter anderem mit Alice Hasters und Sinthujan Varatharajah -, Konzerte von Ghostpoet, ein 36-stündiges Musikprogramm von Refuge Worldwide sowie 48 Stunden DJ-Sets. Das Berliner Architekturbüro Gonzalez Haase hat die historische Lagerhalle dafür gestaltet.
Offene Bunker, letzte Chance bei Stoschek und Holzingers Kinodebüt
Am Samstag rücken Berlins Privatsammlungen ins Zentrum. Ohne Voranmeldung öffnen unter anderem die Boros Collection in ihrem Hochbunker, das auf Videokunst spezialisierte Fluentum in Dahlem und die Julia Stoschek Foundation – Letztere allerdings zum letzten Mal, denn nach zehn Jahren schließt die Düsseldorfer Sammlerin ihre Berliner Dependance im Herbst. Wer tiefer eintauchen will, kann sich für „Discovering Collections!“ anmelden und sonst verschlossene Sammlungen besichtigen.
Ebenfalls am Samstag eröffnet das C/O Berlin im Amerika Haus eine umfassende Retrospektive der US-Fotografin Carrie Mae Weems, und im HAU feiert Sophia Süßmilchs erste Theaterinszenierung „Die Menschenfresserin“ Premiere.
Den Schlusspunkt setzt der Sonntag: Um 11 Uhr zeigt Florentina Holzinger im Kino International ihren ersten Film „Eternity“ – eine Flucht vor der Klimakatastrophe in die Arktis. Danach klingt die Art Week beim „Tag im Grünen“ am Kulturforum mit Bürgertafel und vergünstigten Museumtickets aus.
Cattelan, Sakamoto, Tempelhof – was bereits läuft
Wer zwischen den Abend-Highlights noch Luft hat, findet in der Stadt ein dichtes Netz laufender Großausstellungen. In der Neuen Nationalgalerie ist seit Donnerstag Maurizio Cattelans „Night“ zu sehen – seine erste große Einzelschau in Deutschland, die sich statt Klamauk den existenziellen Themen Kindheit, Glaube und generationsübergreifende Traumata widmet. Im Hamburger Bahnhof läuft die erste europäische Retrospektive des Klangkünstlers Ryuichi Sakamoto, in den Hangars von Tempelhof bringt die Positions Berlin Art Fair 96 Galerien aus 20 Ländern zusammen.
In den Reinickendorfer Wilhelm Hallen verbindet „Hallen 07“ zum siebten Mal Galerien, Museen und Sammlungen auf 9000 Quadratmetern – erstmals mit der Frankfurter Schirn Kunsthalle als Gast. Dass inzwischen auch Institutionen von außerhalb nach Berlin drängen, zeigt, wie sehr sich die Art Week als Gradmesser der hauptstädtischen Kunstszene etabliert hat.






