Wer an die Torstraße denkt, hat sofort ein bestimmtes Bild im Kopf: Trendige Cafés, geschäftiges Treiben, vorbei huschende Fahrräder und das unverwechselbare Flair von Berlin-Mitte. Doch dieses Bild könnte sich bald dramatisch verändern. Während Berlin einerseits den Wahlkampf für die Wahl zum Abgeordnetenhaus gerade so überstanden hat, schwelt in der Torstraße ein handfester Konflikt. Denn: Den Anwohnern geht die Planung der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt gehörig gegen den Strich.
Qiez zu Google hinzufügenDie Bürgerinitiative „Lebendige Torstraße“ organisiert deshalb seit geraumer Zeit jeden Mittwoch Demos gegen die Umbaupläne des Senats. Diesen Mittwoch findet die vorerst letzte Demo der Bürgerinitiative statt – denn die Umbaumaßnahmen sollen bereits am 1. Oktober starten. Was genau die Organisatoren kritisieren, wie es nach der Demo weitergehen soll und welche Auswirkungen die Wahl zum Abgeordnetenhaus auf die bisherigen Pläne des Senats haben könnte, erklären wir hier.
Was fordert die Initiative „Lebendige Torstraße“
Allein für den ersten Bauabschnitt zwischen Chausseestraße und Rosenthaler Platz will der Berliner Senat mehr als 10 Millionen Euro ausgeben – eine gigantische Summe. Nur selten wird eine bestehende Straße völlig erneuert. Das sei laut Anwohnern eine Gelegenheit, die Straße zukunftsfähig zu gestalten. Dabei rechnet man damit, dass die Straße auch in 50 bis 80 Jahren noch befahrbar sein und Faktoren wie Hitze, Dürre, Starkregen, Frost und veränderter Mobilität in einer wachsenden Stadt trotzen muss.
Dementsprechend fordere man eine bessere Planung, so die Erklärung der Bürgerinitiative, die „die Bedürfnisse aller Beteiligten angemessen berücksichtigt“. Konkret drückt sich das in folgenden Forderungen aus:
- Reduzierung der Fahrspuren
- Tempo 30 mit geschwindigkeitsdämpfenden Maßnahmen durchsetzen
- Flächen für Bürgersteig, Bäume und Grünstreifen sollen beibehalten werden
- Sichere Radwege
- Wege für Rettungsfahrzeuge
- Alltagstauglich organisierte Seitenbereiche der Fahrbahn (Lieferverkehr, Parken, Behindertenstellplätze, Schulbushalte)
Finale Mittwochs-Demo in der Torstraße
Heute, am 23. September 2026, findet die finale Protestaktion an der Ecke Torstraße / Tucholskystraße um 17 Uhr statt. Die Route führt bis zum Rosenthaler Platz. Nach einer Reihe von Sommer-Kundgebungen und intensiven Debatten haben sich Verbände, Anwohnende und Klimaaktivisten noch einmal versammelt, um ein unübersehbares Signal zu setzen.
Die Protestierenden wollen den politischen Druck in der heißen Phase nach dem Wahlkampf maximieren – und setzen darauf, dass die Karten mit einer neuen Regierung neu gemischt sind. Mit Transparenten, Redebeiträgen und einer breiten Allianz aus Nachbarschaftsinitiativen wird auf Höhe der stark frequentierten Abschnitte der Torstraße demonstriert, dass der Verlust der grünen Allee für viele Menschen eine rote Linie überschreitet.
Wie geht es nach der Demo weiter?
Mit dem Abklingen der heutigen Kundgebung ist der Konflikt keineswegs beigelegt – im Gegenteil: Die Aktivisten schalten in die nächste Phase. Da das Bauvorhaben vom Senat offiziell ausgeschrieben wurde und im Herbst die ersten vorbereitenden Maßnahmen sowie drohende Fällungen anstehen, kündigt die Zivilgesellschaft lückenlose Wachsamkeit an. Die Bürgerinitiativen wollen die kommenden Wochen nutzen, um jeden bürokratischen Schritt und mögliche Ausschreibungen der Baufirmen akribisch zu kontrollieren.
Wie es langfristig mit der Torstraße weitergeht, hängt maßgeblich von der künftigen Regierung Berlins ab. Da Die Linke den Erhalt von Stadtgrün sowie eine konsequente Verkehrswende vertritt, steht ein sofortiger Baustopp oder ein Moratorium für die aktuellen Fallpläne im Raum. Die Planungen könnten in Zusammenarbeit mit der Bürgerinitiative grundlegend überarbeitet werden. Für eine regierungsfähige Mehrheit muss Die Linke jedoch mit Koalitionspartnern zusammenarbeiten.
Je nachdem, wie die Partner der Partei zu den Plänen stehen, könnte es zu harten Verhandlungen kommen. Bei einer rot-rot-grünen Koalition ist es nicht unwahrscheinlich, dass zumindest ein Teil der Allee gerettet wird. Bereits vergebene Aufträge oder vertragliche Bindungen könnten der neuen Verwaltung jedoch kurzfristig juristische Steine in den Weg legen. Dennoch gilt: Mit einer motivierten Regierungsspitze im Rücken haben die Anwohner gute Karten, dass der Senat diese Hürden zugunsten zukunftsfähigerer Maßnahmen überwindet.






