In Berlin ist die Gastro-Szene in jedem Sinne lebendig. Nur wenige Restaurants schaffen es, über viele Jahre hinweg erfolgreich zu sein. Das Dae Mon in Mitte und das Kink in Prenzlauer Berg gehören dazu. Obwohl die beiden ganz unterschiedliche Ansätze haben, die Gäste zu begeistern, verbindet die Restaurants das Selbstverständnis, sich stetig weiterzuentwickeln. In diesem Jahr wagen die zwei Küchen ganz Neues und bewegen sich mutig auf ein Feld, das noch keine Schubladen hat. Im Kink spricht man von spielerischen und abwechslungsreichen Erlebnissen, die zum Teilen einladen. Das Dae Mon legt seinen eigenen Ansatz als Open Minded Cuisine noch freier aus als bisher.
Das Dae Mon ist seit über zehn Jahren sozusagen ein Geheimtipp mitten in Mitte. Besser gesagt, sieht das Fine-Dining-Restaurant von außen so geheimnisvoll aus, dass die typischen Touristenströme vorbeiziehen. So bleibt man drinnen unter sich – Berliner*innen, die Freude daran haben, außergewöhnlich gut zu essen, und internationale Gäste, die über das Dae Mon gelesen haben oder auf persönliche Empfehlung kommen. Dabei ist das Restaurant keinesfalls elitär. Jede und jeder ist willkommen. Und wenn man überlegt, was man für 138 Euro als Menü bekommt, ist es auch preislich total fair.
Copyright: Wines Agentur — Quelle: Dae MonSchon die Einrichtung zeigt, dass man hier nichts auf Konventionen und Langeweile gibt. In dem dunklen Raum setzen imposante Blumengestecke und Kunstwerke wie Fotografien von Tina Winkhaus oder Neon Art besondere Akzente. Aber auch das Interior mit den dunklen Möbeln, Trennwänden und einzigartigen Lampen ist eindrucksvoll. In diesem stilvollen Rahmen dürfen die beiden sehr jungen Küchenchefs – die österreichischen Mittzwanziger Samuel Haas und Phillip Steixner – ihr Talent frei ausleben. Inhaber Stefan Reinhardt legt ihnen keine Grenzen auf, im Gegenteil, stachelt er sie mit neuen Ideen noch weiter an.
Das Ergebnis ist ein unvergleichliches Ereignis selbst für Menschen, die sich öfter mal in der kreativen Gourmetszene der Hauptstadt etwas gönnen. Jeder Teller ist ein Beleg für die Passion der beiden Köche, aus altbewährten Zutaten alles herauszuholen – sei es durch die intensive Farbgebung, die Textur, die (japanischen) Aromen oder Kombinationen. Das neue Menü besteht aus ungewöhnlich interpretierten Wohlfühlgerichten, die den europäischen Background der Köche ebenso erkennbar machen wie die Begeisterung für japanische Techniken und Aromen. Auch die koreanische Küche dient als Inspiration.
Copyright: Wibes Agentur — Quelle: Dae MonSo wird ein scheinbar einfaches Gericht wie eine vegetarische Consommé mit Rüben, Tteok und Chili zu einer samtigen Geschmacksoffenbarung. Der Wasserspinat erhält durch Holzkohle-Aromen neue Perspektiven. Raffiniertere Gerichte wie Dashi Rettich mit Seeigel und Lauch laden dazu ein, sich auf ein Abenteuer einzulassen, das durch seine Komplexität alle Sinne anregt – inklusive einem kleinen Sidekick, um den intensiven Geschmack des Seeigels abschließend am Gaumen zu mildern. Ein weiteres Highlight ist der Bonito, der mit Mandarine, gebrannten Mandeln und Fenchel so viele Nuancen anbietet, dass man sich für den Genuss Zeit nehmen sollte.
Als Hommage an die alte Heimat darf der Sticky Rice verstanden werden, der mit typischen Germknödel-Merkmalen wie Mohn und Powidle sehr österreichisch schmeckt. Das Menü wechselt natürlich und an neuen Ideen wird beständig gearbeitet. Dazu führt Reinhardt das Team regelmäßig in andere Top-Restaurants, um den Horizont zu erweitern und Kreativität zu fördern. Kein Wunder, dass auch der Service hier im Dae Mon durch Kompetenz und Herzlichkeit neue Maßstäbe setzt.
Im Kink haben die Inhaber Daniel Scheppan und Oliver Mansaray beschlossen, ein lässiger Kieztreff zu werden. Durch die internationale Berichterstattung über das außergewöhnliche Design und die gehobene Küche hat sich das Kink zu einem Hotspot für Designfans, Gourmets und ein gutsituiertes Publikum entwickelt. Die beiden Franken sind aber eher bodenständig und lieben das alte Berlin, in dem man sich noch lange Abende leisten konnte und das Gefühl von „alles ist möglich“ den Ostteil der Stadt prägte.
Copyright: MarieStaggat — Quelle: KINKMit dem neuen Sharingprinzip, bezahlbaren Weinen und Drinks startet das Kink neu durch als Anlaufstelle für alle im Kiez – familiärer und offener. Durch die Weite des Gartens und den großzügigen Innenbereich können hier tatsächlich alle eine tolle Zeit verbringen, ohne sich gegenseitig zu stören. Ob Business-Termin, Hipster-Treffen, Familienrunden, romantische Dates oder was auch immer dich in ein Restaurant treibt: Im Kink bist du stets zur richtigen Zeit am richtigen Ort.
Die Küche hat ein sehr junges Team übernommen. Statt auf bekannte Namen setzen Scheppan und Mansaray auf die Leute, mit denen sie zum Großteil die letzten fünf Jahre zusammengearbeitet haben. Kurz nach der Eröffnung des Restaurants 2020 – die Bar gibt es seit 2019 – lähmte Corona bekanntlich die Gastronomie. Diese Monate haben die Inhaber genutzt, um das Team mit Workshops und Kursen fortzubilden. Dadurch schufen sie zugleich einen besonderen Zusammenhalt, der bis heute spürbar ist, auch wenn das Team beständig wächst.
Zurück zum „Rebrand“: Weil die meisten Menschen die steigenden Kosten durch den Ukrainekrieg, die Energiekrise und die Inflation kaum noch stemmen können, möchte das Kink nicht länger nur Casual-Fine-Dining bieten. Die Einfachheit steht ab sofort im Fokus – sehr gute Produkte liefern besten Geschmack. Sonstige Label passen zu dem offenen Konzept nicht, denn es gibt Einflüsse aus aller Welt und erlaubt ist, was Spaß macht. Wie im Dae Mon wird jede Art von Langeweile verbannt. Das weckt die Lebensgeister – im Team und bei den Gästen.
Copyright: MarieStaggat — Quelle: KINKOb man für ein paar Pommes Provençal (6 Euro) und ein Bier vorbeikommt oder doch Lust auf Austern (Stück 4,50 Euro) und Prickel hat, für beides ist das Kink zu haben. Unsere Favoriten auf der neuen Karte waren der Oktopus auf Cassoulet (21 Euro) sowie Stracciatella mit Rote Bete, Grapefruit und Dattel-Vinaigrette (15 Euro). Natürlich ändern die Jahreszeiten das Angebot und wenn eine neue Kreation nicht gut ankommt, wird sie spontan ersetzt. Ideen-Nachschub liefert das Team jederzeit gern.
Was geblieben ist, dass das Kink mit seinem besonderen Industrial-Style und Kunst wie der Space Knot-Installation von Kerim Seiler beeindruckt. Scheppan und Mansaray haben hier höchstpersönlich viel Arbeit und handwerkliches Geschick reingelegt, um die Räumlichkeiten nach ihren Vorstellungen zu gestalten. Außerdem gibt es weiterhin einen der schönsten Gärten Berlins. Im Sommer werden die Tapas das fast mediterrane Lebensgefühl von hier sicher aufnehmen, dazu ein paar Gläser Wein und der Alltag ist vergessen.
Die Bar im Kink spielt bei diesem Neustart selbstverständlich mit. Neben den komplexen Kompositionen, für die Raum sein darf, gibt es vor allem Klassiker, die neu gedacht werden. Das ermöglicht „buzzy nights“, wie es auf der Homepage heißt. Man wartet also nicht ewig darauf, bis der Bartender seine gesamte Handwerkskunst mit viel Tamtam vor dem Gast präsentiert hat, sondern bekommt erstklassige Drinks, die mit dem gewissen Etwas für ein tolles Erlebnis sorgen.
Uns haben beide Restaurants ganz klar davon überzeugt, dass es sich lohnt, sich trotz Erfolgen nie auf Lorbeeren auszuruhen. Vielleicht inspirieren die jungen Wilden in den beiden Küchen ja auch andere Läden, ihr Konzept neu zu denken. Bis dahin vergnügen wir uns kulinarisch im Dae Mon und entspannen lässig im Kink.
Dae Mon KINK
Monbijouplatz 11 Schönhauser Allee 176
10178 Berlin 10119 Berlin






